Frankreich

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Frankreich

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FraŐ£nk|reich; -s:
Staat in Westeuropa.

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FraŐ£nkreich,
 
 
 
Fläche: 543 998 km2
 
Einwohner: (1999) 58,518 Mio.
 
Hauptstadt: Paris
 
Amtssprache: Französisch
 
 
Währung: 1 Euro (EUR, ) = 100 Cents
 
 
franz√∂sisch La France [-fr√£s], amtlich R√©publique Fran√ßaise [repy'blik fr√£'s…õňźz], Staat in Westeuropa, umfasst das zwischen √Ąrmelkanal und Mittelmeer sich erstreckende Mutterland sowie die Insel Korsika mit 543 998 km2 und (1999) 58,518 Mio. Einwohnern, Hauptstadt ist Paris; Amtssprache: Franz√∂sisch. W√§hrung: 1 Euro (EUR, ) = 100 Cents. Zeitzone: MEZ. Zum Hoheitsgebiet geh√∂ren die (im folgenden Text nicht behandelten) √úberseed√©partements (D√©partements d'Outre-Mer) Guadeloupe, Guyane (Franz√∂sisch-Guayana), Martinique und R√©union, die Collectivit√©s Territoriales Mayotte und Saint-Pierre-et-Miquelon sowie die √úberseegebiete mit beschr√§nkter Selbstverwaltung Wallis und Futuna, Polyn√©sie fran√ßaise (Franz√∂sisch-Polynesien) und Nouvelle-Cal√©donie (Neukaledonien). Einen Sonderstatus haben die Terres Australes et Antarctiques Fran√ßaises; zu ihnen geh√∂ren Ad√©lieland, Crozetinseln, Kerguelen, Saint-Paul, Neuamsterdam sowie die als √éles Australes zusammengefassten, gr√∂√ütenteils unbewohnten Inseln Bassas da India, Europa, Glorieuses, Juan de Nova und Tromelin, die von R√©union aus verwaltet (und von Madagaskar beansprucht) werden.
 
 Staat und Recht:
 
 
Die Verfassung der F√ľnften Republik vom 4. 10. 1958 (mehrfach, zuletzt 2000, ge√§ndert) zeichnet sich formell dadurch aus, dass wichtige Regelungen verfassungserg√§nzenden Gesetzen √ľberlassen sind, den ¬ĽLois organiques¬ę, die im Wesentlichen in den ersten vier Monaten nach In-Kraft-Treten der Verfassung als gesetzesvertretende VO (ordonnances) von der Regierung erlassen wurden. Inhaltlich bemerkenswert ist die deutliche Abkehr von der republikanisch-parlamentarischen Verfassungstradition der Dritten und Vierten Republik hin zu einer Regierungs-Form, die ausgepr√§gte pr√§sidiale Elemente enth√§lt und in der Regierung und Parlament personell streng getrennt sind.
 
Der Pr√§sident wird seit 2002 auf f√ľnf (zuvor sieben) Jahre direkt gew√§hlt. Zur Wahl ist die absolute Mehrheit der abgegebenen g√ľltigen Stimmen erforderlich. Wird diese im ersten Wahlgang nicht erreicht, so wird in einem zweiten Wahlgang zwischen den beiden Kandidaten, die die meisten Stimmen erhalten haben, entschieden.
 
Der Pr√§sident ernennt den Premierminister und auf dessen Vorschlag die √ľbrigen Mitglieder der Regierung ohne Mitwirkung des Parlaments. Er f√ľhrt den Vorsitz im Ministerrat, entl√§sst den Premierminister, wenn ihm dieser den R√ľcktritt der Regierung anbietet; einzelne Regierungsmitglieder entl√§sst er auf Vorschlag des Premierministers Weiter kann der Pr√§sident (nach Beratung mit dem Premierminister und den Pr√§sidenten von Nationalversammlung und Senat) die Nationalversammlung aufl√∂sen; er ist Oberbefehlshaber der Streitkr√§fte. Er √ľbt das Gnadenrecht aus und kann im Falle eines nationalen Notstandes ¬Ľdie nach den Umst√§nden erforderliche Ma√ünahmen¬ę treffen (Notstandsverordnungsrecht).
 
Die Regierung (Gouvernement) besteht aus dem Premierminister, der dem Parlament verantwortlich ist, den Ministern und den zu Regierungsmitglied ernannten Staatssekret√§ren. Die genaue Abgrenzung der Befugnisse von Pr√§sident und Regierung wird praktisch durch die Pers√∂nlichkeit von Pr√§sident und Premierminister bestimmt. Soweit der Pr√§sident und die die Regierung tragenden parlamentarischen Kr√§fte dem gleichen politischen Spektrum angeh√∂rten, war seit Bestehen der F√ľnften Republik eine beherrschende Rolle des Pr√§sidenten festzustellen. Nachdem erstmals nach den Parlamentswahlen vom M√§rz 1986 das Pr√§sidentenamt und die Regierung durch Vertreter entgegengesetzter politischer Richtungen besetzt wurden, wurde die Kompetenzverteilung zwischen beiden Organen zum Gegenstand von Konflikten. Der Pr√§sident beansprucht die Au√üen- und Sicherheitspolitik als seine ¬ĽDomaines¬ę. In den Sachgebieten, die nicht ausdr√ľcklich der Gesetzgebung des Parlaments unterliegen, hat die Regierung ein eigenes Rechtssetzungsrecht. Nach der Verfassung ist es Aufgabe der Regierung, die Politik zu bestimmen und zu leiten. An ihrer Spitze steht der Premierminister Er ist f√ľr die Landesverteidigung verantwortlich, sorgt f√ľr die Ausf√ľhrung der Gesetze, √ľbt das Verordnungsrecht aus und nimmt die Ernennung zu den zivilen und milit√§rischen √Ąmtern vor, soweit hierf√ľr nicht der Pr√§sident zust√§ndig ist. Eine gewisse Abh√§ngigkeit vom Parlament ist dadurch geschaffen, dass der Premierminister dem Pr√§sidenten den R√ľcktritt anbieten muss, wenn die Nationalversammlung der Regierung das Misstrauen ausspricht oder eine mit der Vertrauensfrage verbundene Erkl√§rung der Regierung ablehnt.
 
Das Parlament besteht aus zwei Kammern, der Nationalversammlung und dem Senat. Der Nationalversammlung (Assembl√©e Nationale), die auf f√ľnf Jahre direkt gew√§hlt wird, geh√∂ren 577 Abgeordnete an (555 aus dem Mutterland und 22 aus den √ľberseeischen D√©partements und Gebieten). Die Abgeordneten im Mutterland wurden 1986 erstmals nach einem Verh√§ltniswahlrecht (Listenwahl) bestimmt. Seither ist der Gesetzgeber zum System der Mehrheitswahl (mit Kandidaten, die in ihrem Wahlkreis der absoluten Stimmenmehrheit bed√ľrfen) zur√ľckgekehrt. Aktives Wahlrecht besteht ab dem 18., passives Wahlrecht ab dem 23. Lebensjahr. Der Senat, die Vertretung der Gebietsk√∂rperschaften, besteht aus 321 Senatoren, die nach einem bestimmten Schl√ľssel f√ľr das Mutterland, die √úberseegebiete und die im Ausland lebenden Franzosen auf neun Jahre gew√§hlt werden. Alle drei Jahre wird ein Drittel der Senatssitze neu besetzt. Die Senatoren werden auf D√©partementsebene von Wahlkollegien gew√§hlt, die aus den Mitgliedern der Nationalversammlung und der Generalr√§te sowie aus Delegierten der Gemeinder√§te zusammengesetzt sind. Der Pr√§sident des Senats fungiert bei Vakanz des h√∂chsten Staatsamtes als Vertreter des Staatspr√§sidents. Das Parlament hat in der F√ľnften Republik eine deutlich schw√§chere Stellung als in der Dritten und Vierten Republik. Seine Rechtssetzungskompetenz ist eingeschr√§nkt; nur die in der Verfassung ausdr√ľcklich aufgef√ľhrten Sachgebiete werden durch Gesetz geregelt. Gesetzesvorlagen k√∂nnen in beiden Kammern sowohl vom Premierminister als auch von Mitgliedern des Parlaments eingebracht werden. Bestimmte Gesetzesvorhaben k√∂nnen zum Gegenstand eines Referendums gemacht werden.
 
Der Verfassungsrat (Conseil Constitutionnel) besteht aus neun auf neun Jahre ernannten Mitgliedern, von denen drei, einschlie√ülich seines Pr√§sidenten, vom Pr√§sidenten der Republik, drei vom Pr√§sidenten der Nationalversammlung und drei vom Pr√§sidenten des Senats bestimmt werden. Ihm geh√∂ren ferner die ehemalige Pr√§sidenten der Republik auf Lebenszeit an. Der Verfassungsrat wird in Wahlangelegenheiten t√§tig; Organgesetze m√ľssen, andere Gesetze k√∂nnen ihm vor der Ausfertigung zur Entscheidung √ľber ihre Verfassungsm√§√üigkeit vorgelegt werden.
 
Der Staatsrat (Conseil d'√Čtat) ber√§t die Regierung in Fragen der Gesetz- und Verordnungsgebung und ist zugleich oberstes Verwaltungsgericht. Seine Mitglieder, obgleich von der Regierung ernannt, genie√üen traditionell gro√üe Unabh√§ngigkeit.
 
Der Wirtschafts- und Sozialrat (Conseil √Čconomique et Social), dessen Mitglieder zum Teil von der Regierung, zum Teil von berufsst√§ndischen Organisationen bestimmt werden, ber√§t die Regierung in wichtigen wirtschaftlichen und sozialen Fragen und nimmt Stellung zu einschl√§gigen gesetzgeberischen Vorhaben.
 
Nach Billigung durch die Nationalversammlung (7. 7. 1993) und den Senat (8. 7. 1993 verabschiedete der aus beiden Kammern gebildete Kongress eine ¬Ľkleine Verfassungsreform¬ę, durch die die Unabh√§ngigkeit der Richter vom Staatspr√§sidenten gest√§rkt und die ¬ĽCour de justice de la R√©publique¬ę geschaffen wurde, ein Gerichtshof, der f√ľr die strafrechtliche Verurteilung von Minister zust√§ndig sein soll.
 
Parteien:
 
Frankreich verf√ľgt √ľber ein breit gef√§chertes Parteienspektrum. Zum linken Spektrum geh√∂ren v. a. der Parti Socialiste (PS, deutsch Sozialistische Partei, gegr√ľndet 1969), der Parti Communiste Fran√ßais (PCF, deutsch Franz√∂sische Kommunistische Partei, gegr√ľndet 1920) und der Parti Radical de Gauche (PRG, deutsch Radikale Partei der Linken, gegr√ľndet 1972 als Mouvement des Radicaux de Gauche), eine linksliberale Partei, die ihre Basis im Mittelstand und bei Freiberuflern hat. In der Mitte des Parteienspektrums ist die Union pour la D√©mocratie Fran√ßaise (UDF, deutsch Union f√ľr die franz√∂sische Demokratie, gegr√ľndet 1978) angesiedelt; sie wurde 1978 als Parteienf√∂deration, bestehend aus: Parti R√©publicain (PR, deutsch Republikanische Partei, gegr√ľndet 1962), Force D√©mocrate (FD, deutsch Streitmacht der Demokraten, gegr√ľndet 1976 als Centre des D√©mocrates Sociaux), Parti Radical (Radikale Partei, gegr√ľndet 1901; √§lteste, noch bestehende franz√∂sische Partei) und Parti Social-D√©mocrate (PSD, deutsch Sozialdemokratische Partei, gegr√ľndet 1973) und Parti Populaire pour la D√©mocratie Fran√ßais (PPDF, deutsch Volkspartei f√ľr franz√∂sische Demokratie, gegr√ľndet 1995) gegr√ľndet und fungiert seit 1998 als Partei. Die rechtsliberale D√©mocratie Liberale (DL, deutsch Liberale Demokratie, 1997 durch Umbenennung des Parti R√©publicain entstanden) trat 1998 aus der UDF aus. Der Rassemblement pour la R√©publique (RPR, deutsch Sammlungsbewegung f√ľr die Republik, gegr√ľndet 1976 als Nachfolgeorganisation der gaullistischen Union des D√©mocrates pour la R√©publique [UDR]) betreibt eine Abgrenzung gegen√ľber den Linksparteien. UDF, RPR und DL sind seit 1998 in der Alliance pour la France, einem B√ľndnis b√ľrgerlichen Parteien zusammengeschlossen. Extrem nationalistische Ziele verfolgt der Front National (FN, deutsch Nationale Front, gegr√ľndet 1972). Eine Rolle spielen auch verschiedene Umweltparteien, z. B. ¬ĽLes Verts¬ę (deutsch die ¬ĽGr√ľnen¬ę, gegr√ľndet 1984) und G√©n√©ration √Čcologie (GE, deutsch Umweltgeneration, gegr√ľndet 1990).
 
 
Kennzeichnend f√ľr die heutige franz√∂sische Gewerkschaftsbewegung, die urspr√ľnglich stark anarchosyndikalistisch gepr√§gt war, ist ihre Basisn√§he, ihre relative Schw√§che (gewerkschaftlicher Organisationsgrad der franz√∂sischen Arbeitnehmer: rd. 10 %) und ihre Zersplitterung in Richtungsgewerkschaften. Diese vertreten sehr unterschiedliche Forderungen, die von der √úberwindung des Wirtschaftssystems bis zur Suche nach Assoziierungsm√∂glichkeiten mit den Arbeitgebern gehen. Wichtigste Dachverb√§nde sind die Conf√©d√©ration G√©n√©rale du Travail (CGT, gegr√ľndet 1895), der PCF nahestehend, rd. 650 000 Mitglieder; die Conf√©d√©ration G√©n√©rale du Travail-Force Ouvri√®re (CGT-FO, gegr√ľndet 1947), strikt antikommunistisch und sozialdemokratisch-reformistisch orientiert, rd. 350 000 Mitglieder; die Conf√©d√©ration Fran√ßaise D√©mocratique du Travail (CFDT, gegr√ľndet 1964), selbstverwaltungssozialistisch orientiert, rd. 650 000 Mitglieder; die Conf√©d√©ration Fran√ßaise des Travailleurs Chr√©tiens (CFTC, gegr√ľndet 1919), der christlichen Soziallehre verpflichtet und sozialpartnerschaftlich orientiert, rd. 250 000 Mitglieder Alle vier Dachverb√§nde verstehen sich als parteiunabh√§ngig. Neben diesen branchen√ľbergreifenden Richtungsgewerkschaften sind v. a. drei berufsst√§ndische Organisationen von Bedeutung: die F√©d√©ration de l'√Čducation Nationale (Abk√ľrzung FEN, gegr√ľndet 1928), steht sozialistisches Gedankengut nahe und hat im Erziehungswesen eine dominierende Stellung, rd. 400 000 Mitglieder; die F√©d√©ration Syndicale Unitaire (FSU, gegr√ľndet 1993 als Abspaltung von der FEN) und die Conf√©d√©ration Fran√ßaise de l'Encadrement-Conf√©d√©ration G√©n√©rale des Cadres (CFE-CGC, gegr√ľndet 1944), vertritt v. a. die leitenden und mittleren Angestellten, bef√ľrwortet marktwirtschaftl Prinzipien, rd. 300 000 Mitglieder.
 
Internationale Verbindungen:
 
Spitzenorganisation der franz√∂sischen Arbeitgeberverb√§nde ist der Mouvement des Entreprises de France (Medef, gegr√ľndet 1946 als Conseil National du Patronat Fran√ßais [CNPF]) mit rd. 1,5 Mio. Mitgliedern.
 
 
Frankreich ist das einzige europ√§ische Land ohne Staatswappen im eigentlichen Sinn. Das im Ausland und bei internationalen Anl√§ssen gezeigte Hoheitszeichen (Emblem) zeigt auf einem von der Kette der Ehrenlegion umrahmten blauen Schild Symble der Franz√∂sischen Revolution wie das r√∂mische Liktorenb√ľndel in seiner republikanischen Version (Beil in das Stabb√ľndel eingebunden), umschlungen vom Wahlspruchband ¬ĽLibert√©, √Čgalit√©, Fraternit√©¬ę (¬ĽFreiheit, Gleichheit, Br√ľderlichkeit¬ę) und umgeben von einem √Ėlbaum- und einem Eichenzweig.
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertag ist der 14. 7., der an die Erst√ľrmung der Bastille 1789 erinnert.
 
 
Der Aufbau der französischen Verwaltung ist auch nach dem Dezentralisierungsgesetz von 1982 zentralistisch geprägt. An der Spitze der Verwaltung stehen die Minister. Im Weiteren ist das Mutterland in 22 Verwaltungsregionen (autonome Gebietskörperschaften) mit 96 Départements gegliedert. Unterhalb der Départementsebene bestehen als Verwaltungseinheiten 329 Arrondissements und 3 876 Kantone.
 
Durch das Dezentralisierungsgesetz wurden gewisse finanzielle und administrative Zust√§ndigkeiten von den vom Pr√§sidenten ernannten Pr√§fekten (Pr√©fets), die zwischen 1982 und 1988 den Titel Staatskommissar (Commissaire de la R√©publique) f√ľhrten und die die Zentralgewalt repr√§sentieren, auf die auf D√©partementsebene direkt gew√§hlten Regionalr√§te (Conseil Regional) √ľbertragen. Die Aufgaben eines Exekutivorgans der Gebietsk√∂rperschaften nehmen daneben auf lokaler, departementaler und regionaler Ebene gew√§hlte Vertreter (B√ľrgermeister, Pr√§sident der General- beziehungsweise Regionalr√§te) wahr. Die bisher vom Pr√§fekten ausge√ľbte Staatsaufsicht ist abgeschafft. Die gro√üen St√§dte Paris, Marseille und Lyon haben eine besondere Verwaltungsstruktur.
 
 
Frankreich ist ein alter Rechts- und Verwaltungsstaat mit hoher Regelungsdichte, flexibler Gesetzgebung, umfassender Gerichtsbarkeit und anspruchsvoller Rechtswissenschaft. Ursprung des heutigen Rechts sind die napoleonischen Gesetze, v. a. der Code civil von 1804, in seiner Vorbildwirkung das weltweit erfolgreichste Gesetz neuerer Zeit. Der Code civil besteht zu rd. drei F√ľnftel aus germanischen Gewohnheitsrechten, zu rd. zwei F√ľnftel aus dem ¬Ľgeschriebenen¬ę r√∂mischen Recht. Dieser Gesetzestext gilt √ľberwiegend unver√§ndert bis heute. Auf modernem Stand ist das Personen- und Familienrecht; mit der Reform des Kindschaftsrechts 1993 wurde neben der ehelichen auch die nat√ľrliche Familie anerkannt. Das Erb- und Sachenrecht ist fast noch im Urzustand, wird aber allm√§hlich reformiert. F√ľr Grundst√ľcksgesch√§fte wurde Registrierungspflicht eingef√ľhrt, jedoch nur mit geringer materiell-rechtlicher Wirkung. Neuen Erfordernissen angepasst wurde das Eheg√ľter-Vertragsrecht v. a. durch die Praxis der Notare auf der Grundlage weitgehender Gestaltungsfreiheit der Betroffenen.
 
Au√üerhalb des Code civil neu geregelt ist insbesondere die Stra√üenverkehrshaftung durch Gesetz von 1985. Im Vertragsrecht stehen neben dem Code civil besondere Gesetze zum Schutz der wirtschaftlich schw√§cheren Partei, v. a. im Mietrecht und im Verbraucherschutzrecht einschlie√ülich des Verbots missbr√§uchlicher Vertragsklauseln. Einige Rechtsgebiete haben sich in umfassenden Gesetzesb√ľchern verselbstst√§ndigt oder sind neu entstanden, so u. a. das Arbeitsrecht (Code du travail), das Sozialversicherungsrecht (Code de la s√©curit√© sociale) und das Immaterialg√ľterrecht (Code de la propri√©t√© intellectuelle). Das napoleonische Handelsgesetzbuch ist in neueren Einzelgesetzen, wie dem Gesellschafts-, Seehandels-, Versicherungs- und Wettbewerbsrecht, aufgegangen. Die Zivilprozessordnung wurde von 1976 bis 1996 schrittweise vollst√§ndig neu geregelt und ist heute unter vergleichbar kodifizierten Rechten die modernste. Gleichfalls neu ist das Strafgesetzbuch (Code p√©nal) von 1994; neben neuen Straftatbest√§nden begr√ľndet es insbesondere die strafrechtliche Veranwortlichkeit juristischer Personen. Die Todesstrafe ist seit 1981 abgeschafft. Die Strafprozessordnung wurde im Zusammenhang mit dem neuen Strafgesetzbuch partiell novelliert. Das Verwaltungsrecht, seit der Franz√∂sischen Revolution als selbstst√§ndiges Rechtsgebiet aufgefasst, wurde richterrechtlich entwickelt durch den Conseil d'√Čtat, Frankreichs fr√ľher einziges, heute h√∂chstes Verwaltungsgericht.
 
Das Recht der Europ√§ischen Union √ľberlagert in zunehmendem Ma√ü das nationale Recht und beeinflusst die Rechtsentwicklung.
 
 
Zivilprozesse beginnen je nach Gr√∂√üe des Falles entweder vor einem Amtsgericht (Tribunal d'instance) oder Landgericht (Tribunal de grande instance). Daneben bestehen Handelsgerichte (Tribunaux de commerce), Arbeitsgerichte (Conseils de prud'hommes) und Sozialgerichte (Tribunaux des affaires de s√©curit√© sociale). Berufungen gehen immer an ein Oberlandesgericht (Cour d'appel), Revisionen zum Kassationshof (Cour de cassation) in Paris. Erstinstanzliche Strafgerichte sind das Tribunal de police (Einzelrichter) f√ľr √úbertretungen, das Tribunal correctionnel (Kammer) f√ľr Vergehen und das Schwurgericht (Cour d'assises, drei Berufs- und neun Laienrichter) f√ľr Verbrechen. F√ľr minderj√§hrige Straft√§ter gibt es Jugendgerichte.
 
Die Verwaltungsgerichtsbarkeit beginnt vor einem Verwaltungsgericht (Tribunal administratif), Berufungen gehen an die 1987 geschaffenen Oberverwaltungsgerichte (Cour administrative d'appel), Revisionen an den Staatsrat (Conseil d'√Čtat).
 
Verfassungsgericht ist der Verfassungsrat (Conseil constitutionnel). Seine Zust√§ndigkeit ist bisher beschr√§nkt auf die √úberpr√ľfung der Verfassungsm√§√üigkeit von Gesetzen zwischen Verabschiedung und In-Kraft-Treten.
 
 
Die Gesamtst√§rke der seit 2001 bestehenden Berufsarmee (Aufhebung der Wehrpflicht ab Juni 2001) betr√§gt (einschlie√ülich der Angeh√∂rigen der Strategischen Atomstreitkr√§fte im Umfang von rd. 14 000 Soldaten) gegenw√§rtig etwa 350 000 Soldaten, die der paramilit√§rischen Gendarmerie rd. 93 000 Mann. Frauen k√∂nnen in den franz√∂sischen Streitkr√§ften dienen, au√üer in der Fremdenlegion, auf U-Booten und in Einheiten, wo ein dauerhafter und direkter Kontakt mit feindlichen Kr√§ften wahrscheinlich ist. In den franz√∂sischen √úberseegebieten sind insgesamt etwa 20 000 Soldaten sowie in afrikanischen Staaten, mit denen Frankreich Verteidigungsabkommen geschlossen hat, etwa 5 000 Soldaten stationiert, die sich aus Einheiten von Heer, Luftwaffe und Marine zusammensetzen. - Ausgel√∂st durch die ver√§nderte sicherheitspolitische Lage wurde der urspr√ľngliche Truppenumfang von etwa 570 000 Mann seit Anfang der 1990er-Jahre schrittweise verringert sowie der Anteil der Berufssoldaten erh√∂ht, w√§hrend die Zahl der Wehrpflichtigen sank. Im Mai 1996 k√ľndigte Staatspr√§sident J. Chirac die Abschaffung der Wehrpflicht zum 1. 1. 1997 f√ľr alle nach dem 1. 1. 1979 geborenen Franzosen an. F√ľr die vor diesem Zeitpunkt Geborenen galt weiterhin die Wehrpflicht von 10 Monaten. Als Ersatz f√ľr die Wehrpflicht soll ein freiwilliger Dienst treten, der auch Frauen offen steht und beim Milit√§r, den Sicherheitskr√§ften, im sozialen Bereich sowie in der Entwicklungshilfe abgeleistet werden kann. Ziel der Schaffung einer Berufsarmee (Abschluss war urspr√ľnglich erst im Jahre 2002 geplant) ist die Erh√∂hung der Effektivit√§t und Professionalit√§t der Streitkr√§fte. Mit dieser Wehrdienstreform verbunden ist eine weitere Reduzierung der Truppenst√§rke auf etwa 260 000 Mann und die Umgestaltung der Streitkr√§ftestrukturen. - Frankreich h√§lt weiterhin am Prinzip der atomaren Abschreckung fest und gew√§hrleistet dementsprechend die Einsatzbereitschaft der nuklearen Waffensysteme trotz erheblicher Etatk√ľrzungen in diesem Bereich. Abgebaut wurde die landgest√ľtzte Komponente der nuklearen Abschreckung bei gleichzeitiger Modernisierung der submarinen und luftbeweglichen Komponenten.
 
Das Heer (rd. 200 000 Soldaten, geplante Reduzierung auf etwa 136 000 Mann) ist in gr√∂√üere Kr√§ftegruppierungen mit jeweils spezialisiertem Aufgabenbereich gegliedert: Die ¬ĽSchnellen Eingreifkr√§fte¬ę (Force d'action rapide, Abk√ľrzung FAR) bestehen aus je einer Luftlande-, Marineinfanterie- und leichten Panzerdivision sowie einer mit Hubschraubern ausger√ľsteten luftbeweglichen Division. Die sich auf einer hohen Bereitschaftsstufe befindlichen und v. a. f√ľr einen jederzeitigen Einsatz au√üerhalb Frankreichs zur Verf√ľgung stehenden FAR-Verb√§nde umfassen insgesamt rd. 44 000 Mann. Zu den ¬Ľgepanzerten Kr√§ften¬ę geh√∂ren drei Panzerdivisionen, eine leichte Panzerdivision und eine Infanteriedivision. Die gepanzerten und die FAR-Verb√§nde sind mit insgesamt 1 000 Kampfpanzern (v. a. Leclerc) ausgestattet. Die ¬ĽKr√§fte der Territorialverteidigung¬ę wurden seit 1993 v√∂llig umstrukturiert. Sie umfassen nun vier regionale Verteidigungskommandos und ein eigenes Kommando f√ľr die Region Paris (√éle-de-France). Alle Heereskr√§fte stehen unter dem Oberbefehl des Oberkommandos der Heereseinsatztruppen, dem ein Oberkommando der Heereslogistik angeschlossen ist. Dem Eurokorps sind u. a. eine Panzerdivision und ein Fernmelderegiment unterstellt. Ein besonderer Teil des Heeres ist die zum Teil ebenfalls im Ausland stationierte Fremdenlegion.
 
Die Luftwaffe (rd. 72 000 Soldaten, geplante Reduzierung auf etwa 63 000 Mann) gliedert sich in die ¬ĽStrategischen Luftstreitkr√§fte¬ę, die auch f√ľr einen eventuellen Nukleareinsatz mitverantwortlich w√§ren, die ¬ĽTaktischen Luftstreitkr√§fte¬ę, in der alle J√§ger- und Jagdbomberverb√§nde zusammengefasst sind, das Luftverteidigungskommando (u. a. mit Luftabwehrraketenstaffeln), das Lufttransport- sowie das Ausbildungskommando. An konventionellen Kampfflugzeugen stehen im Wesentlichen rd. 400 Maschinen (Mirage 2000, Mirage F-1, 60 Jaguar) bereit. Au√üerdem verf√ľgt die franz√∂sische Luftwaffe u. a. √ľber etwa 100 Transportflugzeuge und 4 AWACS-Systeme. Verbunden mit der Modernisierung des Bestandes an Kampfflugzeugen (u. a. Einf√ľhrung des Jagdflugzeuges Rafale) ist die Verringerung auf insgesamt 300 Maschinen.
 
Die Marine (rd. 59 000 Soldaten, geplante Reduzierung auf etwa 45 000 Mann) besitzt u. a. insgesamt 11 U-Boote (darunter drei nukleargetriebene strategische U-Boote, die zu den Strategischen Atomstreitkr√§ften geh√∂ren), zwei Flugzeugtr√§ger (¬ĽCharles de Gaulle¬ę, ¬ĽFoch¬ę), einen Kreuzer, 13 Zerst√∂rer und 24 Fregatten.
 
Die Strategischen Atomstreitkr√§fte (¬ĽForce de dissuasion¬ę, fr√ľhere Bezeichnung ¬ĽForce de frappe¬ę) setzen sich mit einer Gesamtst√§rke von 14 000 Soldaten aus Teilen von Heer, Luftwaffe und Marine zusammen. Sie verf√ľgen √ľber drei nukleargetriebene U-Boote mit je 16 M-4-Mittelstreckenraketen. Als taktische Atomstreitkr√§fte fungieren die auf den franz√∂sischen Flugzeugtr√§gern stationierten 30 Maschinen des Typs Super Etendard sowie 60 taktische Jagdbomber Mirage 2000, die jeweils ASMP-Flugk√∂rper tragen k√∂nnen.
 
Frankreich ist Mitglied der NATO und der WEU. 1966 zog sich das Land aus der milit√§rischen Struktur der NATO zur√ľck. Im Zusammenhang mit der auf der Berliner NATO-Fr√ľhjahrstagung 1996 beschlossenen Anpassung der NATO an die ver√§nderte europ√§ische Sicherheitslage und dem Bekenntnis der Allianz zur St√§rkung der europ√§ischen Verteidigungsidentit√§t stellte Frankreich die volle Beteiligung an allen NATO-Strukturen in Aussicht. Seitdem arbeitet Frankreich wieder voll im NATO-Milit√§rausschuss (bislang nur Beobachterstatus) sowie in einigen NATO-Institutionen mit, ohne jedoch bislang in die integrierten Milit√§rst√§be zur√ľckzukehren.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Frankreich erstreckt sich vom Atlantischen Ozean im Nordwesten und Westen bis zum Mittelmeer im S. Im S√ľdwesten reicht es bis auf den Kamm der Pyren√§en (im Pic de Vignemale 3 298 m √ľber dem Meeresspiegel), im S√ľdosten auf den der Westalpen (Montblanc 4 807 m √ľber dem Meeresspiegel), im Osten bis in die Oberrheinische Tiefebene (Elsass), im Nordosten bis zum Rheinischen Schiefergebirge (Ardennen), im Norden bis zur Stra√üe von Dover. Die Oberfl√§chengestalt ist vorwiegend durch den Wechsel von Mittelgebirgen und ineinander √ľbergehenden Beckenlandschaften charakterisiert. Die damit gegebene gute Durchg√§ngigkeit erm√∂glichte schon in vorgeschichtlicher Zeit Fernwege. Die ver√§stelten Systeme der Hauptstr√∂me, nur durch niedrige Schwellen voneinander getrennt, wurden fr√ľh durch Kan√§le verbunden, die heute allerdings vielfach veraltet und wieder aufgegeben sind.
 
Zentrallandschaft Frankreichs ist (seit der historischen Verlagerung des politischen und kulturellen Schwergewichts aus dem Mittelmeergebiet) das Pariser Becken, eine weit gespannte Schichtstufenlandschaft mit m√§√üigem Relief und nach au√üen gekehrten Stufenstirnen (im Osten besonders markant), die von der Seine und ihren Nebenfl√ľssen auf dem Weg in das Beckeninnere durchbrochen, im Osten von Maas und Mosel begleitet werden. Im allgemeinen Landschaftsbild treten die Landstufen gegen√ľber den weitr√§umigen Verebnungen zur√ľck. Sie haben ihre heutigen, oft ineinander verflie√üenden Hangformen zum Teil erst w√§hrend des periglazialen Klimas der letzten Eiszeit erhalten, ebenso die besonders im Norden m√§chtige L√∂ss√ľberdeckung, die f√ľr die Landwirtschaft wichtig geworden ist.
 
Das Pariser Becken ist umgeben von vier alten Gebirgen: Armorikanisches Gebirge im Westen, Ardennen im Nordosten, Vogesen im Osten und Zentralmassiv im S. Sie stellen zu Rumpfgebirgen eingeebnete, im Zuge der terti√§ren Gebirgsbildung nur noch im Gro√üen aufgew√∂lbte oder entlang tektonischer St√∂rungen in Schollen zerbrochene oder gegeneinander verstellte Bruchst√ľcke des sp√§tpal√§ozoischen Variskischen Gebirges dar; ihren karbonischen Schichten geh√∂ren die nordfranz√∂sisch-belgischen Kohlenlager an. Die stark bewaldeten Ardennen (in Frankreich bis etwa 500 m √ľber dem Meeresspiegel) werden von der Maas nach Norden durchbrochen. Sie sind wie die nicht minder waldreichen, viel h√∂heren Vogesen (1 423 m √ľber dem Meeresspiegel) mit dem franz√∂sischen Teil des Oberrheingrabens (Elsass) Grenzlandschaften. Westlich der niedertauchenden Ardennen liegt der leichteste Zugang zum Pariser Becken, die niedrige Schwelle des Artois, ein viel begangener V√∂lkerweg nach S√ľdwesten; an seinem √úbergang √ľber die Seine entwickelte sich Paris.
 
Unter den vier alten Gebirgsbl√∂cken tritt der armorikanische (¬ĽArmorika¬ę), der in der Halbinsel Cotentin gegen den √Ąrmelkanal, in der Bretagne gegen den Atlantischen Ozean vorspringt, am wenigsten markant hervor. Er ist zu einem welligen, geologisch vielfach gegliederten Rumpf abgetragen. Seine in zahlreichen Buchten gegliederte Riask√ľste zeugt von Hebungen und Senkungen des Meeresspiegels (letzte war die D√ľnkirchener Transgression) und der damit verbundenen Absenkung der Talm√ľndungen unter den Meeresspiegel. Die wild zerrissenen Kliffe und die zahlreichen vorgelagerten Inseln und Felsriffe bezeugen die Wucht der durch hohe Gezeiten verst√§rkten Brandung. Das armorikanische Massiv erstreckt sich bis in die Vend√©e s√ľdlich der unteren Loire und wird durch die flache Schwelle von Poitou vom Zentralmassiv getrennt.
 
Der m√§chtige Block des Zentralmassivs ist schwach bewaldet und steigt von Westen und Norden sanft an. Seine S√ľdost- und Ostflanke ist dagegen hoch, steil und scharf zerschnitten. Tief und breit greifen, tektonisch vorgezeichnet, die Gr√§ben des Alliertals und des oberen Loiretals von Norden ein. Seitlich √ľber den Gr√§ben erheben sich auf der Rumpffl√§che (Auvergne) die gut erhaltenen Formen vulkanischer Berge aus dem Terti√§r und Quart√§r (Cha√ģne des Puys, Puy de D√īme 1 465 m √ľber dem Meeresspiegel); ausgedehnte Vulkangebirge und Decken entstanden im Plioz√§n und Mioz√§n (Mont-Dore 1 886 m, Cantal 1 858 m √ľber dem Meeresspiegel). Die h√∂chsten Gebiete tragen Spuren lokaler Vergletscherung in den Eiszeiten. Am S√ľdrand sind auch gewaltige Pakete der jurassischen Deckschichten bis auf 1 700 m √ľber dem Meeresspiegel gehoben worden. Sie sind durch die Fl√ľsse in tiefen Ca√Īons (Gorges) zerschnitten. Die Kalktafeln der Causses sind stark verkarstet.
 
Zwischen Zentralmassiv und Pyren√§en breitet sich das von mesozoischen und terti√§ren Schichten erf√ľllte Aquitanische Becken aus. Aus dieser Senke hoben sich seit der mittleren Kreide, verst√§rkt im √§lteren Terti√§r, die ersten Faltenz√ľge der Pyren√§en heraus. Das mit der Hebung des Gebirges verst√§rkt angelieferte Schuttmaterial f√ľllte das Vorland auf, das von den letzten Faltungen im Oligoz√§n noch miterfasst wurde. Dieser Aufbau lieferte die Voraussetzungen f√ľr die Bildung von Erd√∂l- und Erdgaslagerst√§tten. Die Schuttf√§cher vor den aufsteigenden Pyren√§en sind von den Fl√ľssen zum Teil stark zerschnitten worden und bilden Riedellandschaften. Sie gehen zur K√ľste hin in die sandigen, ehemaligen von Sumpf und Heide, seit dem 19. Jahrhundert von Kiefernwald eingenommenen ¬ĽLandes¬ę √ľber, die gegen das Meer durch m√§chtige D√ľnenw√§lle und eine Reihe von Haffs und Strandseen (√Čtangs) abgeschlossen werden.
 
Die dritte gro√üe Durchgangslandschaft ist die Rh√īne-Sa√īne-Senke. Sie ist Teil einer gro√üen tektonischen Grabenzone (Mittelmeer-Mj√∂sen-Zone), die zwischen Lyon und dem Oberrheingraben bei M√ľlhausen im Grenzbereich des Jura den Charakter eines Plateau- und H√ľgellandes annimmt. Im S√ľden √∂ffnet sich die Furche zu den franz√∂sischen Mittelmeerlandschaften: die Schwemmland- und Lagunenk√ľste des Languedoc im Westen und, √∂stlich des Rh√īnedeltas (Camargue), die buchtenreiche Felsk√ľste der Provence und der C√īte d'Azur. Im Osten wird sie durch die Voralpen und Alpen abgegrenzt, deren Bildung ebenfalls in der mittleren Kreide begonnen hatte. Der Jura erhielt seine heutigen Grundz√ľge aus der Anfaltung gegen die Widerlager der alten Massive, die ihrerseits nur noch durch Bruchschollen- und Grabenbildung beeinflusst wurden.
 
 
Das Klima Frankreichs, bedingt durch seine Lage im Westen Europas und die durch die Reliefgestaltung vorgegebene √Ėffnung gegen den Atlantischen Ozean, ist weitgehend vom atlantischen Typus bestimmt und frei von gr√∂√üeren Gegens√§tzen. Nur der schmale Saum am Mittelmeer, der in der Rh√īnesenke eine starke Einbuchtung nach Norden erf√§hrt, weist trockenhei√üe Sommer auf; die Niederschl√§ge fallen hier im Fr√ľhjahr und Herbst oft als Starkregen. Im √ľbrigen Frankreich fallen Niederschl√§ge (√ľber 500 mm) w√§hrend des ganzen Jahres (Maximum liegt im Oktober/November, in den meeresfernen Gebieten im Juni). Niederschl√§ge √ľber 2 000 mm finden sich in den Alpen, im Jura, im Zentralmassiv und in den Pyren√§en. Schnee bleibt nur in den H√∂hen √ľber 1 000 m √ľber dem Meeresspiegel l√§nger liegen. Die Vegetationsperiode ist lang. Im Gebiet der Armorika mildert der Meereseinfluss das Klima so sehr, dass in einzelnen schmalen K√ľstenstreifen auch w√§hrend des Winters der Anbau von Spezialkulturen (Kartoffeln, Winter- und Fr√ľhgem√ľse) m√∂glich ist; in gesch√ľtzten Lagen reifen sogar Feigen; Roscoff (an der Nordk√ľste der Bretagne) hat einen milderen Winter als Perpignan (am Mittelmeer), jedoch einen k√ľhleren Sommer (August 16,7 ¬ļC).
 
In Ostfrankreich hat das Klima etwas mehr kontinentale, mitteleurop√§ische Z√ľge (wegen der gr√∂√üeren Zahl der Gewitter liegt das Maximum der Regen im Sommer). Das Aquitanische Becken hat, wie das Mittelmeergebiet, hei√üe Sommer und milde Winter, aber im Gegensatz dazu auch im Sommer oft hohe Niederschl√§ge. Das Rh√īnetal, eingeengt zwischen Zentralmassiv und Alpen, wird insbesondere im Winter und Fr√ľhjahr von st√ľrmischen, kalten Nordwinden heimgesucht (¬ĽMistral¬ę, bei Narbonne ¬ĽCers¬ę, bei Perpignan ¬ĽTramontane¬ę); schirokkoartige S√ľdwinde sind der ¬ĽAutan¬ę und die ¬ĽMarina¬ę.
 
 
Trotz Zugeh√∂rigkeit zu unterschiedlichen ethnischen und sprachlichen Gruppen ist die seit langem zentralistisch regierte Bev√∂lkerung zu einem einheitlichen Volk mit stark ausgepr√§gtem Nationalbewusstsein zusammengewachsen. Die franz√∂sische Sprache wird von fast allen Einwohnern als Muttersprache gesprochen. Jedoch koexistieren mit dem Franz√∂sischen nichtfranz√∂sische Regional- oder ethnische Sprachen; die Zweisprachigkeit betrifft etwa 15 Mio. Menschen. Die okzitanische Sprache (¬ĽLangue d'oc¬ę), von der aquitanischen K√ľste bis zur italienischen Grenze (und dar√ľber hinaus) verbreitet, wird nur noch von wenigen Menschen gesprochen und ist stark in ihrer Substanz bedroht. Weitere sprachliche Minderheiten sind die Bretonen (in der Bretagne westlich der Linie Vannes-Paimpol; knapp 1 Mio. Menschen), die Flamen (in Franz√∂sisch-Flandern, um D√ľnkirchen, 400 000), die Katalanen im Roussillon (D√©partement Pyr√©n√©es-Orientales, 200 000) sowie die Basken im √§u√üersten S√ľdwesten (um Saint-Jean-de-Luz, etwa 100 000). Etwa 1 Mio. leben im deutschen Sprachbereich (Elsass, Ostlothringen); die deutsche Sprache ist jedoch stark zur√ľckgedr√§ngt. Etwa 1 Mio. sprechen Italienisch (Korsika, Gebiet um Nizza) als Muttersprache. Der verst√§rkte Gebrauch von Fremdw√∂rtern f√ľhrte schlie√ülich 1994 zu einem kontrovers diskutierten Gesetz, das v. a. den Einfluss der englischen Sprache zur√ľckdr√§ngen soll.
 
Die Bev√∂lkerungszahl im Gebiet des heutigen Frankreich wird f√ľr das Jahr 500 n. Chr. auf etwa 3 Mio. gesch√§tzt. Sie stieg bis etwa 1800 auf 27,5 Mio. an und ver√§nderte sich von 1866 (38 Mio.) bis 1946 (40,5 Mio.) nicht wesentlich. Seither hat sie j√§hrlich zun√§chst um etwa 1 % zugenommen. Die j√§hrliche Wachstumsrate ist inzwischen auf 5 ‚Äį gesunken. Die j√§hrliche Geburtenziffer, die 1938 noch um rd. 38 000 unter der Sterbeziffer lag, war von 1945 bis Mitte der 60er-Jahre durch die familien- und kinderfreundliche Politik stark angestiegen (1964-68: 18 ‚Äį), hat sich jedoch seither auf etwa 13 ‚Äį eingependelt. 1815 hatte der Anteil der Bev√∂lkerung Frankreichs an der Europas 18 % betragen, 1944 nur 7,4 %, 1998 waren es 8,4 %.
 
Erst mit der Industrialisierung und dem hohen Bedarf an Arbeitskr√§ften (besonders in Landwirtschaft, Bergbau u. a., ehemals auch in den h√§uslichen Diensten) kamen besonders seit dem Ersten Weltkrieg viele Einwanderer. 1999 lebten 4,3 Mio. Ausl√§nder in Frankreich (davon 18 % Portugiesen, 18 % Algerier, 15 % Marokkaner, 7 % Italiener, 5 % Spanier u. a.), v. a. in den Industrie- und den Weinbaugebieten. 1954-62 kam rd. 1 Mio. franz√∂sischer R√ľckwanderer aus Nordafrika. Seit 1974 betreibt Frankreich jedoch eine restriktive Einwanderungspolitik, um die Arbeitslosigkeit einzud√§mmen, die bei den Ausl√§ndern 24,5 % betr√§gt.
 
Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte Frankreichs (107 Einwohner je km2) ist im Vergleich zu den Nachbarländern niedrig. Analog den wirtschaftlichen Schwerpunkten ergeben sich Verdichtungsräume, allen voran der Ballungsraum Paris, der fast 20 % der Gesamtbevölkerung beherbergt (Region Île-de-France: 901 Einwohner je km2). Im Zentralmassiv sinkt die Bevölkerungsdichte bis auf 14 Einwohner je km2 (Département Lozère).
 
 
Die Verfassung garantiert die Religionsfreiheit. Seit 1905 besteht eine strikte gesetzliche Trennung von Staat und Kirche. Einen staatskirchenrechtlichen Sonderstatus besitzen das Elsass und Lothringen, die 1905 als Reichsland Elsass-Lothringen dem Deutschen Reich angeh√∂rten. Die Grundlage der Beziehungen Staat-Kirche bildet hier nach wie vor das Konkordat von 1801, auf dessen Basis der Staat die Geistlichen auf Vorschlag der Kirchen als Beamte anstellt, ihre Geh√§lter und Pensionen tr√§gt und in Stra√üburg eine katholische und eine evangelische theologische Fakult√§t unterh√§lt. - Offizielle Z√§hlungen der Religionszugeh√∂rigkeit finden nicht statt. Nach kirchlichen Angaben geh√∂ren rd. 80 % der Bev√∂lkerung der katholischen Kirche an. Die Zahl der praktizierenden Katholiken wird mit etwa 15 % angegeben und entspricht damit fast der Zahl der ¬ĽReligionslosen¬ę (knapp 25 %). - Rund 1 Mio. Franzosen geh√∂rt verschiedenen protestantischen Kirchen und Gemeinschaften an. Die gr√∂√üte protestantische Kirche ist die 1938 als Zusammenschluss mehrerer protestantischer Kirchen gebildete ¬ĽReformierte Kirche Frankreichs¬ę (√Čglise R√©form√©e de France) mit rd. 350 000 Mitglieder und 400 Gemeinden. Die ¬ĽReformierte Kirche des Elsass und Lothringens¬ę (√Čglise R√©form√©e d'Alsace et de Lorraine) hat rd. 42 000 Mitglieder, die 1802 als Zusammenschluss verschiedener lutherischen Kirchen des Elsass und Lothringens gebildete ¬ĽKirche Augsburgischen Bekenntnisses des Elsass und Lothringens¬ę (√Čglise de la Confession d'Augsbourg d'Alsace et de Lorraine) rd. 230 000 Mitglieder - Die katholische Kirche ist in 17 Kirchenprovinzen mit insgesamt 17 Erzbist√ľmern und 73 Bist√ľmern sowie zwei exemte Erzbist√ľmer (Marseille und Stra√üburg) und das exemte Bistum Metz gegliedert. Die gro√üe Mehrzahl der protestantischen Kirchen (Reformierte, Lutheraner, Methodisten, Baptisten u. a.) arbeiten in der ¬ĽProtestantischen F√∂deration Frankreichs¬ę (F√©d√©ration Protestante de France) zusammen. Rd. 250 000 Christen geh√∂ren verschiedenen orthodoxen Kirchen an. Die etwa 300 000 Armenier in Frankreich geh√∂ren √ľberwiegend der armenischen Kirche an. - Die gr√∂√üte nichtchristliche Religionsgemeinschaft bildet der Islam. Von den etwa 4 Mio. (√ľberwiegend sunnitische) Muslimen v. a. nordafrikanischer Herkunft bezeichnet sich die Mehrheit als gl√§ubige Muslime. Einen hohen Bev√∂lkerungsanteil bilden sie besonders in der Stadt und dem Gro√üraum Marseille. - Die j√ľdischen Gemeinden haben rd. 700 000 Mitglieder; ihre Dachorganisation ist der ¬ĽZentralrat der j√ľdischen Gemeinden Frankreichs¬ę mit Sitz in Paris.
 
 
Die Schulpflicht reicht vom 7. bis zum 16. Lebensjahr; das Schulwesen ist aufgrund des Gesetzes vom 11. 7. 1975 mit Wirkung ab 1977 neu gestaltet worden und ist in Primarstufe (Enseignement du premier degr√©; √Čcole √©l√©mentaire) sowie Sekundarstufe I (vier Schuljahre; Coll√®ge) und II (zwei oder drei Schuljahre; Enseignement du second degr√©; verschiedene Formen des Lyc√©e) untergliedert. Der Besuch der Elementarschule (√Čcole primaire) ist obligatorisch im Gegensatz zum Besuch des Kindergartens (√Čcole maternelle), einer Ganztagseinrichtung ab dem 2. Lebensjahr, die aber von 99 % der vier- und 100 % der f√ľnf- und sechsj√§hrigen Kinder besucht wird und als Vorschule in Lesen, Schreiben und Rechnen einf√ľhrt. Die √Čcole primaire, ebenfalls als Ganztagseinrichtung organisiert, ist in drei aufeinander folgende Zyklen untergliedert: Cycle pr√©paratoire (ein Jahr), Cycle √©l√©mentaire und Cycle moyen (je zwei Jahre). Anschlie√üend treten alle Kinder ins Coll√®ge ein, zun√§chst in die Beobachtungsstufe (zwei Jahre), danach in die Orientierungsstufe, in der durch zus√§tzliche Wahlf√§cher eine Differenzierung erfolgt. Der Abschluss erm√∂glicht die Aufnahme einer Berufsausbildung in einem Berufsausbildungszentrum (Centre de formation d'apprentis; C. F. A.), den √úbertritt ins Lyc√©e (in zwei dreij√§hrigen Formen: Lyc√©e classique mit allgemeiner Hochschulreife oder Lyc√©e technique als Zugang zu technischen Ausbildungen auf Hochschulebene) oder ins berufliche Lyc√©e (Lyc√©e d'enseignement professionnel; L. E. P.) mit einer Dauer von zwei Jahren. Andere M√∂glichkeiten sind nach einem Jahr Orientierungsstufe der Besuch einer Vorbereitungsklasse auf die L. E. P. oder von zwei berufsvorbereitenden oder zwei Berufsschulklassen (bis zum Ende der Schulpflicht). Die Z√§hlung der Klassen erfolgt in Frankreich von der Abiturklasse aus gesehen, welche die 1. Klasse darstellt, die 12. Klasse ist das Jahr der Einschulung. - Neben dem √∂ffentlichen Schulwesen steht das Enseignement libre (freies Unterrichtswesen), es besteht zu √ľber 93 % aus katholischen Privatschulen. Von den (schulgeldpflichtigen) Privatschulen geh√∂ren 40 % Privatpersonen, 33 % katholische Vereinigungen und 17 % katholische Unterrichtsorden. Insgesamt besuchen 17 % der franz√∂sischen Sch√ľler Privatschulen. Diese tragen meist traditionelle Namen: Der Jardin d'enfants entspricht der √Čcole maternelle, die Cours compl√©mentaires dem Coll√®ge, die √Čcole technique dem L. E. P., die Cours techniques dem Lyc√©e technique, das Lyc√©e dem Lyc√©e classique. Zum Enseignement libre geh√∂ren auch zahlreiche Hochschulen.
 
Im Bereich der Hochschule brachte das Rahmengesetz vom 12. 11. 1968 Reformen in Organisation und Studienablauf. Die Fakult√§ten wurden durch das System der Fachbereiche (Unit√© d'enseignement et de recherche; U. E. R.) ersetzt. Den Fachbereichen wurde eine gr√∂√üere finanzielle, didaktische und verwaltungstechnische Autonomie verliehen. Neben dem Fachbereich besteht das technologische Institut (Institut universitaire de technologie; I. U. T.), meist mit k√ľrzeren Studieng√§ngen. Neben den (1995) rd. 70 staatlichen Universit√§ten und drei Polytechniken bestehen Hochschulen, insbesondere die staatlichen oder privaten Grandes √©coles einschlie√ülich der √Čcoles sup√©rieures, Eliteschulen mit strengen Aufnahmepr√ľfungen, z. B. technische Hochschulen (√Čcole polytechnique, √Čcole nationale des ponts et chauss√©es), Wirtschafts- und Verwaltungshochschulen, die Hochschulen f√ľr Architektur, f√ľr Bergbau, f√ľr Agrarwissenschaften, die √Čcoles normales sup√©rieures (Studieng√§nge in traditionell gro√üen wissenschaftlichen Disziplinen), Hochschulen f√ľr Bibliothekswesen, f√ľr lebende orientalische Sprachen, die besonders forschungsorientierte √Čcole pratique des hautes √©tudes en sciences sociales. Abgesehen von einigen dieser Grandes √©coles, die der Schirmherrschaft anderer Minister unterstehen, liegen Verwaltung und Kontrolle der staatlichen Schulen und Hochschulen in H√§nden des Ministers f√ľr nationale Erziehung, der mit dem ¬ĽObersten Rat¬ę (84 Mitglieder) und regional dem jeweiligen Rat der 28 ¬ĽAkademien¬ę, in die das franz√∂sische Bildungswesen unterteilt ist, zusammenarbeitet. Au√üerdem gibt es noch zahlreiche spezialisierte Hochschulen (√Čcole sp√©cialis√©e) unterschiedlichen Niveaus, zum Teil staatlich, zum Teil privat, darunter die p√§dagogischen Hochschulen (√Čcole normale) und den deutschen Fachhochschulen entsprechende Einrichtungen f√ľr Ingenieur-Wissenschaft (z. B. die Sections de techniciens sup√©rieures, die √Čcoles d'ing√©nieurs) oder f√ľr Sozialp√§dagogik. Die akademischen Grade und Diplome sind wie die schulischen Abschl√ľsse sehr differenziert gegliedert. 20 Universit√§ten bieten Fernstudieng√§nge an.
 
Die allgemeine Erwachsenenbildung sowie die berufliche Weiterbildung werden verst√§rkt gef√∂rdert. Seit 1971 gibt es Regelungen √ľber Bildungsurlaub f√ľr Arbeitnehmer; Abendkurse f√ľr den Abschluss als Ingenieur bietet das Conservatoire national des arts et m√©tiers (C. N. A. M.) in zahlreichen St√§dten an. Die Ausgaben f√ľr Bildung und Kultur betrugen (1994) 313,3 Mrd. FF (25,4 % des √∂ffentlichen Haushalts).
 
Forschung und Wissenschaft werden gefördert und koordiniert vom Centre National de la Recherche Scientifique; traditionsreiche wissenschaftliche Einrichtungen sind u. a. das Institut de France und das Collège de France.
 
 
Presse: Kooperationen und Fusionen als Folge eines auch in anderen L√§ndern zu beobachtenden Konzentrationsprozesses haben in Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls zu strukturellen Ver√§nderungen im Printmediensektor gef√ľhrt. Im Unterschied zu Gro√übritannien und Deutschland sind Tageszeitungen in Frankreich weniger verbreitet (145 Zeitungsexemplare je 1 000 Einwohner, Reichweite 50 %), eine rege Nachfrage herrscht dagegen nach Magazinen, Illustrierten und Special-Interest-Zeitschriften. Ohne staatlichen Beihilfen, die etwa 1/6 ihres Umsatzes ausmachen, k√∂nnte die Tagespresse nicht √ľberleben. Zu den 12 √ľberregionalen Tageszeitungen geh√∂ren u. a.: ¬ĽLe Monde¬ę (linksliberal, 393 000), die zu den weltweit angesehensten Tageszeitungen z√§hlt, ¬ĽLe Figaro¬ę (b√ľrgerlich-konservativ, 361 000), der wegen seines umfangreichen Stellenanzeigenteils und seiner erfolgreichen Magazine ¬ĽFigaro Madame¬ę und ¬ĽFigaro Magazine¬ę als ertragreichste Zeitung gilt, sowie die Boulevardzeitung ¬ĽLe Parisien¬ę mit ihrer √ľberregionalen Ausgabe ¬ĽAujourd'hui¬ę (insgesamt 486 000). Weitere wichtige Titel sind die Sportzeitung ¬ĽL'√Čquipe¬ę (398 000), die Wirtschaftsbl√§tter ¬ĽLes √Čchos¬ę (128 000) und ¬ĽLa Tribune¬ę (91 000), die linksliberale ¬ĽLib√©ration¬ę (169 000), die katholische Zeitung ¬ĽLa Croix¬ę (87 000) und die kommunistische ¬ĽL'Humanit√©¬ę (50 000). Das Traditionsboulevardblatt ¬ĽFrance-Soir¬ę, in den 1960er-Jahren mit mehr als 1,1 Mio. Exemplaren auflagenst√§rkste Zeitung Frankreichs, hat seit 1980 starke Auflageneinbu√üen erlitten (1980: 422 000, 1999: 145 000). Die verbreitetste Zeitung Frankreichs ist die Regionalzeitung ¬ĽOuest-France¬ę, Rennes (767 000). Insgesamt erscheinen 60 Regionalzeitungen in einer Auflage von rd. 6 Mio. Exemplaren. - Es kommen sieben Newsmagazine, u. a. ¬ĽLe Nouvel Observateur¬ę (445 000), ¬ĽL'Express¬ę (421 000), ¬ĽLe Point¬ę (295 000), mit einer verkauften Auflage von insgesamt rd. 2,3 Mio. Exemplaren heraus, die nahezu identisch ist mit der Gesamtauflage der 12 √ľberregionalen Tageszeitungen (2,32 Mio.). - Die wichtigsten Pressegruppen sind: Socpresse (Hersant-Gruppe; 20 Tageszeitungen, darunter Le Figaro, France Soir, Le Progr√®s), die Amaury-Gruppe (Le Parisien, L'√Čquipe, France-Football), die Lagard√®re Groupe (Le Journal du Dimanche, France-Dimanche, Elle) sowie die Verlagsgruppe Le Monde (Le Monde, Le Monde diplomatique, verschiedene Beteiligungen). - Wichtigste Nachrichtenagentur ist Agence France-Presse/AFP, gegr√ľndet 1944.
 
 
Der staatliche Rundfunk verbreitet √ľber Radio France mehrere landesweite H√∂rfunkprogramme mit regionalen, departementalen und lokalen Fenster- und Vollprogrammen, darunter auch fremdsprachige, sowie den Auslandsdienst Radio France Internationale (RFI). Mit der Novellierung des Rundfunkgesetzes 2000 wurden alle √∂ffentlich-rechtliche Fernsehprogramme in der staatlichen Holding France T√©l√©vision zusammengefasst. Dazu geh√∂ren ¬ĽFrance 2¬ę als landesweiter Sender und ¬ĽFrance 3¬ę mit 24 Regional- und 18 Lokalstationen sowie der Bildungssender ¬ĽLa Cinqui√®me¬ę. Der 1992 gestartete deutsch-franz√∂sische Kulturkanal ¬ĽLa Sept/ARTE¬ę, seit 2000 unter dem Namen ¬ĽARTE France¬ę, bleibt hingegen weiterhin selbstst√§ndig. Wie die Presse, so werden auch H√∂rfunk und Fernsehen durch einen staatlichen Hilfsfonds - gebildet durch Abgaben der kommerziellen Sender - subventioniert. Erster franz√∂sischer Privatsender und zugleich Marktf√ľhrer im Free-TV-Bereich ist der ehemals staatliche Sender TF1, der 1987 privatisiert wurde. Eine hohe Reichweite hat ferner der ebenfalls 1987 gegr√ľndete Sender M 6. Bereits 1984 ging der Pay-TV-Sender Canal plus (Canal plus S. A.) an den Start, mit 6,7 Mio. Abonnenten in Frankreich und 14 Mio. Kunden europaweit der gr√∂√üte europ√§ische Betreiber von Bezahlfernsehen. Das Medienunternehmen Havas, gegr√ľndet 1835 als Nachrichtenagentur, wurde 1998 mit seinem 34%-Anteil an Canal plus in die Compagnie G√©n√©rale des Eaux eingegliedert und in Vivendi S. A. umbenannt, das 2000 mit dem kanadischen Getr√§nke- und Unterhaltungskonzern Seagram Inc. zur Vivendi Universal S. A. fusionierte. Neben AOL Time Warner entstand damit ein weiterer weltumspannender Medienkonzern mit Tochterunternehmen in den Bereichen Film, Fernsehen, Musik und Internet. - Im Unterschied zu Deutschland und √§hnlich wie in Gro√übritannien verf√ľgt die Mehrheit (70,4 %) der Bev√∂lkerung in Frankreich √ľber terrestrische Antennen (18,8 % √ľber Satelliten- und 10,8 % √ľber Kabelanschluss), mittels deren auch Pay-TV empfangen werden kann; Canal plus z. B. erreicht 4/5 seiner Abonnenten √ľber terrestrische Netze. Mit dem Beginn des digitalen Fernsehens (1996), als drei konkurrierende Sender - CanalSatellite num√©rique (Canal-plus-Tochter), T√©l√©vision per Satellite (TPS) und AB Sat - zugleich an den Start gingen, stieg die Zahl der Satellitenhaushalte allerdings von 1,03 Mio. auf (2000) 4,05 Mio. Haushalte.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Mit einem Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1997) 26 300 US-$ (Deutschland: 28 280 US-$) nimmt Frankreich in der Rangfolge der Industriel√§nder und der EU-Staaten einen Platz im oberen Drittel ein. Der √úbergang von einem Agrarstaat zu einer modernen und f√ľhrenden Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft vollzog sich relativ langsam.
 
Nach 1945 befand sich die bis dahin agrarisch-kleinindustriell gepr√§gte franz√∂sische Wirtschaft in einem beschleunigten Prozess der nachholenden Industrialisierung und Modernisierung (besonders gegen√ľber der Bundesrepublik Deutschland) unter den Bedingungen einer 1946 eingef√ľhrten korporativistisch organisierten gesamtwirtschaftlichen Rahmenplanung. Mit diesem System der Planification wurde versucht, eine gleichgewichtige Anwendung der Steuerungsmethoden Planung und Wettbewerb zu realisieren. Die Wirtschaftspl√§ne, zu deren Einhaltung die Privatwirtschaft durch die Vergabe staatlicher Kredite und Auftr√§ge angehalten wurde, bew√§hrten sich bis in die Zeit der europ√§ischen √Ėffnung der franz√∂sischen Wirtschaft als wirkungsvolles Instrument der Umsetzung beschlossener Wachstums- und Investitionsziele. Hinzu trat die Verstaatlichung von Schl√ľsselsektoren (Energiewirtschaft, Verkehr, Gro√übanken, Versicherungsunternehmen) und einigen Industrieunternehmen.
 
Der Wiederaufbau und die Steigerung der Produktion in den 50er-Jahren (1949 wurde das Niveau von 1929 erreicht) vollzogen sich im gesch√ľtzten Rahmen einer weitgehend geschlossenen Wirtschaft. Die franz√∂sische Wirtschaft exportierte nur wenig (6 % des BIP) in L√§nder au√üerhalb der Franc-Zone. Eine Wende brachten der Verlust der kolonialen M√§rkte im Zuge der Entkolonialisierung Anfang der 60er-Jahre und die in der EWG verwirklichte Zollunion. Der √úbergang zu einer offenen Wirtschaft bedingte eine international wettbewerbsf√§hige Industrie. Wirtschaftspolitische Ziele waren: F√∂rderung von ¬ĽSchl√ľsselindustrien¬ę (elektronische und Investitionsg√ľterindustrie), Schaffung einer zusammenh√§ngenden nationalen Industriestruktur, Bildung von international wettbewerbsf√§higen Unternehmensgruppen, gest√ľtzt auf staatliche und private Gro√üunternehmen. Trotz der erfolgreichen Anhebung der Industrialisierung auf das Niveau anderer EG-Staaten blieben einige Strukturschw√§chen der franz√∂sischen Wirtschaft bestehen: ein relativ hoher Anteil der Landwirtschaft am BIP, das relativ niedrige Gewicht moderner Investitionsg√ľterbranchen gegen√ľber traditionellen Konsumg√ľterzweigen, die Kluft zwischen gro√üen, staatlich gef√∂rderten Unternehmen und einer Vielzahl traditioneller, oft r√ľckst√§ndiger Familienunternehmen.
 
Zum vorrangigen wirtschaftspolitischen Problem der 70er- und 80er-Jahre wurde die Frage der Anpassung an die Anforderungen des internationalen Wettbewerbs und an die neuen technologischen Herausforderungen, wobei sich zwei unterschiedliche Strategien gegen√ľberstanden: 1) eine liberale Strategie der weltmarktorientierten Strukturanpassung, deren Kernelemente das Festhalten am freien Au√üenhandel, das Akzeptieren der internationalen Arbeitsteilung und der daraus resultierenden Anpassungszw√§nge sowie eine forcierte aktive und passive Internationalisierung der franz√∂sischen Wirtschaft waren. Diesen Ansatz verfolgte die Wirtschaftspolitik der 70er-Jahre unter Pr√§sident V. Giscard d'Estaing (1974-81) und der Regierung Barre (1976-81) sowie die Regierung Chirac (1986-88); 2) ein Modernisierungskonzept, das - ohne die √Ėffnung der franz√∂sischen Wirtschaft infrage zu stellen - industriepolitischen Strukturreformen und binnenwirtschaftlichen Entwicklungszielen einen hohen Eigenwert beima√ü und vom Willen zu einer stark eigenbestimmten wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung gepr√§gt war. Dieses von der Linken vertretene Konzept wurde unter Pr√§sident F. Mitterrand in einer ersten Phase sozialistische Wirtschaftspolitik (1981-84) umgesetzt.
 
Das vorrangige Ziel der mehr angebotsorientierten Wirtschaftspolitik in den 70er-Jahren war die Inflationsbek√§mpfung, verbunden mit einer Stabilisierung des Franc und einer Verbesserung der au√üenwirtschaftlichen Lage; angestrebt wurde die √úberwindung franz√∂sischer Wettbewerbsnachteile und die Umstrukturierung der franz√∂sischen Industrie unter Aufgabe unrentabler Produktionsbereiche. Staatliche Eingriffe sollten abgebaut und mehr Wettbewerb eingef√ľhrt werden (z. B. Aufhebung aller seit 1945 bestehenden Preisbindungen). Hinzu kam der forcierte Ausbau der Kernenergie durch den Staat. Auch wenn diese Politik zur ¬ĽGesundschrumpfung¬ę einiger nicht wettbewerbsf√§higer Krisenbranchen f√ľhrte und der staatliche ¬ĽDirigismus¬ę etwas zur√ľckgedr√§ngt wurde, waren ihre Ergebnisse unzureichend: Die Inflationsrate erreichte 1980/81 mit rd. 13 % den bis dahin h√∂chsten Stand in der F√ľnften Republik; die Arbeitslosenquote war Mitte 1981 mit knapp 8 % die h√∂chste seit den 50er-Jahren.
 
Die sozialistische Regierung setzte zun√§chst gro√üe Erwartungen in eine umfassende Industriestrukturpolitik mittels eines erweiterten √∂ffentlichen Sektors sowie in ein linkskeynesian. Wachstums- und Besch√§ftigungsprogramm. Sie verschaffte sich durch ein umfassendes Nationalisierungsprogramm einen direkten Einfluss auf Unternehmensgruppen: Im Bereich des Finanz- und Versicherungswesens bekam der Staat 1982 mit 36 weiteren verstaatlichten Banken fast das gesamte Kreditwesen in seine Hand; die gr√∂√üten Versicherungsgesellschaften gingen in √∂ffentliches Besitz √ľber; der neue √∂ffentliche Industriesektor erreichte rd. 30 % des Gesamtumsatzes der franz√∂sischen Industrie und t√§tigte √ľber 50 % der Industrieinvestitionen.
 
Die zur Bek√§mpfung der Arbeitslosigkeit und zur Ankurbelung der Wirtschaft getroffenen Ma√ünahmen (u. a. Erh√∂hung der Mindestl√∂hne und der Familienbeihilfen, Zusatzbesteuerung der hohen Einkommen), brachten angesichts der gegenl√§ufigen, stabilit√§tsorientierten Wirtschaftspolitik der Nachbarstaaten allerdings nicht die erw√ľnschten Effekte und vergr√∂√üerten die Defizite in Staatshaushalt und Au√üenhandel. Die Regierung vollzog deshalb schon 1982/83 eine Kehrtwende zugunsten einer stabilit√§tsorientierten Spar- und Antiinflationspolitik sowie einer traditionellen Politik der Sanierungs- und Rationalisierungsma√ünahmen in der Industrie (u. a. Lohn- und Preisstopp, Subventionsk√ľrzungen). International wettbewerbsf√§hige Unternehmen wurden gef√∂rdert und bei den krisenanf√§lligen (Stahl, Kohle, Schiffbau, Automobil) Unternehmen in Autonomie die notwendigen Kapazit√§tsreduzierungen und Sanierungen vorgenommen. Die Inflationsrate wurde von (1983) 9 % auf (1986) 2 % gesenkt. In der W√§hrungspolitik betrieb die sozialistische Regierung ab 1984 die auch von den Nachfolgeregierungen fortgef√ľhrte Politik des starken Franc (¬ĽFranc fort¬ę), die die franz√∂sische W√§hrung √ľber einen Gleichklang mit der W√§hrungspolitik der Deutschen Bundesbank an die D-Mark band. Als Erfolg dieser Politik ging der Wertverlust des Franc gegen√ľber der D-Mark zur√ľck; ab 1988 stellte sich ein stabiler Devisenkurs zur D-Mark ein (Durchschnittskurs der 1990er Jahre 29,5 DM). Die konservative Regierung Chirac (1986-88) nahm die angebotsorientierte Strategie in der Wirtschaftspolitik wieder auf (u. a. Abbau des Haushaltsdefizits, Steuersenkungen, Reprivatisierung von Staatsunternehmen, Abkehr vom Prinzip zentralstaatlicher Regulierbarkeit der Wirtschaftsprozesse). Nach der Wiederwahl Mitterrands zum Staatspr√§sidenten wurde von der sozialistischen Regierung der Staatseinfluss auf die Unternehmen beibehalten, jedoch wurden einige Kapitalbeteiligungen verkauft. Die Regierung verfolgte eine auf Konkurrenzf√§higkeit im internationalen und v. a. im europ√§ischen Vergleich sowie auf Inflationsbek√§mpfung ausgerichtete Politik. Das Problem der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit konnte jedoch nicht gel√∂st werden. Ab 1993 nahm die neue konservativ-liberale Regierung unter √Č. Balladur die Privatisierungspolitik wieder auf, durch die der Staat bis Ende 1994 Einnahmen in H√∂he von rd. 100 Mrd. FF erzielte. An der harten W√§hrungspolitik wurde trotz starker Spannungen im europ√§ischen W√§hrungssystem festgehalten. W√§hrend sich Inflation (2000: 1,7 %; Deutschland 2,0 %) und au√üenwirtschaftliches Gleichgewicht positiv entwickelten, blieb die Arbeitslosigkeit (1990: 9 %; 2001: 8,7 %) lange ein wirtschaftspolitisches Hauptproblem, insbesondere die hohe Jugendarbeitslosigkeit.
 
 
Trotz ihres anhaltenden Schrumpfungsprozesses und Strukturwandels ist die Landwirtschaft f√ľr die franz√∂sische Volkswirtschaft nach wie vor von gro√üer Bedeutung. 2000 waren nur noch knapp 3 % (1962: 20 %; 1975: 9,5 %) aller Erwerbspersonen in der Landwirtschaft besch√§ftigt; an der Entstehung des BIP waren die Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei (1997) mit 2 % beteiligt. Frankreich ist mit einem Anteil von (1997) 22,3 % an der Gesamtproduktion der gr√∂√üte Produzent landwirtschaftlicher Erzeugnisse aller EU-L√§nder. 1994 wurden Agrarprodukte im Wert von 197 Mrd. FF exportiert, die damit 16 % der Gesamtexporte ausmachen. Wichtigste landwirtschaftliche Ausfuhrg√ľter sind Getr√§nke (v. a. Wein), Tiere, Fleisch und Fleischwaren, Getreide und Getreideerzeugnisse, Milch- und Molkereiprodukte, Zucker, Gem√ľse und Obst.
 
In Frankreich werden rd. 60 % der Fl√§che landwirtschaftlich genutzt, davon (2000) 61 % f√ľr Ackerbau, 35 % als Weideland und 4 % f√ľr Obst- und Weinbau. Nach wie vor √ľberwiegen kleine und mittlere Betriebe, jedoch gewinnen gr√∂√üere Betriebe immer mehr an Gewicht. 1997 wiesen 27 % der Betriebe eine Betriebsgr√∂√üe von bis zu 5 ha auf und machten damit 4 % der landwirtschaftlich genutzten Fl√§che aus. Die Betriebe mit mehr als 100 ha (11,2 % der Gesamtbetriebe) bewirtschafteten 38 % der landwirtschaftlich genutzten Fl√§che. 1997 lag die durchschnittliche Betriebsgr√∂√üe bei 41,7 ha (Deutschland: 32,1 ha). Die Gesamtzahl der Betriebe hat im Zuge des Strukturwandels von (1970) 1,6 Mio. auf (1997) 679 800 stark abgenommen. Gro√übetriebe sind √ľberwiegend im Pariser Becken anzutreffen. Jedoch auch die kleinen und Kleinstbetriebe, die zum Teil hochwertige Spezialprodukte (Gem√ľse, Kr√§uter, Wein u. a.) anbauen, sind meist au√üerordentlich leistungsf√§hig. Frankreich ist mit Abstand der gr√∂√üte Getreideproduzent der EU (rd. 40 % der Produktion).
 
Im Mittelmeerraum finden sich Obstbau, √Ėlbaum- und Blumenkulturen, w√§hrend die Atlantikk√ľste aufgrund des milden und feuchten Klimas f√ľr den Gartenbau geeignet ist. Bedeutende Weinbaugebiete sind Burgund, die Champagne, das Bordelais, das Tal der Loire und das Elsass, f√ľr einfachere Weine das Languedoc (franz√∂sische Weine). Frankreich z√§hlt zu den gr√∂√üten Weinerzeugern der Erde 22 % der Weltproduktion; 52 % der Produktion der EU-Staaten); 2000 wurden 57,6 Mio. hl erzeugt.
 
Viehzucht wird v. a. im Norden und Nordwesten, im Pariser Becken und in den Gebirgen betrieben. Der Anteil der Viehwirtschaft am Gesamtaufkommen der Landwirtschaft liegt bei rd. 60 %. Innerhalb Europas hat Frankreich den bedeutendsten Rinderbestand und gehört zu den wichtigsten Erzeugern von Fleisch und Milchprodukten.
 
In Frankreich wird eine umfassende landwirtschaftliche Strukturpolitik verfolgt. Insbesondere zinsg√ľnstige Darlehen und Subventionen zur Sozialversicherung sollen sowohl zur Einkommenssicherung als auch zur Verbesserung der Wettbewerbsf√§higkeit beitragen. Aufgrund der ver√§nderten Marktbedingungen f√ľr Getreide versucht die Agrarwirtschaft ihrerseits, √úberkapazit√§ten in der Getreideproduktion abzubauen und Marktnischen im Bereich bestimmter Spezialprodukte (z. B. Heilkr√§uter, Gew√ľrzpflanzen) oder qualitativ hochwertiger Produkte (z. B. stark proteinhaltige Futterpflanzen wie Erbsen, Bohnen und Lupinen) zu erschlie√üen. Durch die S√ľderweiterung der EU (Spanien, Portugal) sind f√ľr die franz√∂sische Landwirtschaft jedoch Probleme v. a. bei den f√ľr die Mittelmeerl√§nder typischen Produkten (z. B. Wein, Obst und Gem√ľse) entstanden, die durch die relative St√§rke des franz√∂sischen Franc gegen√ľber den W√§hrungen dieser L√§nder versch√§rft werden.
 
 
Frankreich ist mit rd. 14 Mio. ha Wald (25 % der Gesamtfläche, Bundesrepublik Deutschland 29,5 %) nicht eben ein waldreiches Land. Hinzu kommt, dass dieses Potenzial nicht vollständig als Rohstoffquelle genutzt wird. Allerdings versucht man den Holzeinschlag (1999: 36,2 Mio. m3 Rundholz) zu intensivieren. Während Frankreich große Mengen an Rohholz exportiert, weist es ein hohes Defizit bei verarbeiteten Erzeugnissen auf. In der Forstwirtschaft und Holzindustrie sind (1999) 500 000 Arbeitnehmer beschäftigt. Der Wert der Erzeugnisse aus der Holznutzung liegt bei rd. 10,5 Mrd. FF im Jahr. Knapp 75 % des Waldes ist in privatem Besitz. Durch Waldbrände gehen jährlich durchschnittlich 25 000 ha Wald verloren (Durchschnitt 1988-98).
 
 
Die Fangmengen der Fischerei sind zum Teil durch EU-Vorschriften begrenzt. 1999 wurden von den knapp 6 000 Kuttern der franz√∂sischen Fischereiflotte rd. 600 000 t Fisch und Meeresfr√ľchte angelandet. Damit steht Frankreich unter den EU-Staaten an 4. Stelle. Mit stark erh√∂hten Anlandungen von Algen (1999: 15 100 t Frischgewicht; 8. Stelle weltweit) versucht man, der steigenden Nachfrage nach dieser vitaminreichen Pflanze gerecht zu werden; von Bedeutung sind au√üerdem die Austernb√§nke an der Westk√ľste. Wichtigste Fischereih√§fen sind Concarneau, Cherbourg, Marennes/Ol√©ron, Boulogne-sur-Mer und Lorient.
 
 
Obwohl Frankreich √ľber gro√üe Eisenerz- und Kohlevorkommen, √ľber abbauw√ľrdige Uranreserven sowie √ľber Vorr√§te an Bauxit, Blei, Zink, Barium und Wolfram verf√ľgt, m√ľssen in erheblichem Umfang Rohstoffe zus√§tzlich importiert werden. Der √ľberwiegende Anteil des heimischen Eisenerzes kommt aus Lothringen und ist von geringem Metallgehalt (durchschnittlich 30 %, Minette). Der Abbau geht best√§ndig zur√ľck (1975: 15,5 Mio. t, 1998: 0,6 Mio. t). Seit dem R√ľckgang der Kohlef√∂rderung in der Region Nord in den 70er-Jahren kommt der √ľberwiegende Teil der franz√∂sischen Kohle aus Lothringen. Die Steinkohlef√∂rderung ging von (1970) 40,1 Mio. t auf (2000) 3,4 Mio. t zur√ľck. 2000 betrug die nationale Erd√∂lf√∂rderung 1,4 Mio. t, die an Erdgas 18,9 TWh. Das gr√∂√üte Erdgasfeld liegt im westlichen Pyren√§envorland. Als Nebenprodukt der Erdgasaufbereitung wird Schwefel gewonnen; 1993 war Frankreich mit 1,3 Mio. t der achtgr√∂√üte Schwefelproduzent der Erde. Die Kalisalzf√∂rderung mit Schwerpunkt in M√ľlhausen ist stark r√ľckl√§ufig (1993: 0,9 Mio. t, 1999: 0,4 Mio. t). Der Uranbedarf f√ľr Kernkraftindustrie und milit√§rische Zwecke wird zu nur zu einem geringen Teil aus heimischer Gewinnung gedeckt (1999: 470 t).
 
 
Seit Mitte der 70er-Jahre ist die Energiepolitik darauf gerichtet, die Abh√§ngigkeit des Landes von der Energieeinfuhr, insbesondere vom Erd√∂l zu vermindern. Die franz√∂sische Erzeugung von Prim√§renergie deckt mittlerweile die H√§lfte des Gesamtverbrauchs, was v. a. auf den starken Ausbau der Energieerzeugung aus Kernkraft zur√ľckzuf√ľhren ist. 1999 entfielen von der in Kraftwerken installierten Leistung 12 % auf W√§rmekraftwerke, 13 % auf Wasserkraftwerke und 75 % auf Kernkraftwerke. Frankreich ist der weltgr√∂√üte Erzeuger von Kernkraft je Einwohner. Absolut haben die franz√∂sischen Kernkraftwerke (1999) mit 370 TWh mehr als doppelt so viel Strom erzeugt wie die deutschen. Politisch wird an der positiven Einsch√§tzung der Kernenergie festgehalten. 1998 waren 57 Kernkraftwerke in Betrieb, davon zwei mit Br√ľtertechnologie. Bei der Erzeugung von Elektrizit√§t liegt der Anteil der Kernenergie deutlich h√∂her als bei der installierten Leistung. Aus Absatzmangel mussten schon mehrere Kernkraftwerke zeitweilig abgeschaltet werden. Ein Ausweg aus der drohenden √úberproduktion wird im Export von Elektrizit√§t gesehen. Uranerz wird u. a. in der Gasdiffusionsanlage in Pierrelatte angereichert; zur Wiederaufarbeitung der abgebrannten Plutoniumbrennelemente dient die Anlage in La Hague.
 
 
Im produzierenden Gewerbe waren (1999) 26 % aller Erwerbstätigen, d. h. rd. 5,6 Mio. Menschen, beschäftigt; davon 1,4 % im Bergbau, 69 % im verarbeitenden Gewerbe, 25,6 % im Baubereich und 4,0 % in der Energiewirtschaft.
 
Die Industrie erzeugt zu rd. einem Drittel Halbfertigprodukte. Fertigwaren der Kraftfahrzeug-, Investitions- und Konsumg√ľterindustrie sind zu knapp 70 % am gesamten Produktionswert beteiligt. In der Flugzeugindustrie mit ihrem Zentrum in Toulouse f√ľr den zivilen, f√ľr den milit√§rischen Bereich in Toulouse und Bordeaux ist Frankreich neben Gro√übritannien und Deutschland in Europa f√ľhrend und nimmt eine bedeutende Stellung bei der Produktion der Airbus-Flugzeuge ein. In der Raumfahrttechnik steht das europ√§ische Satellitenprogramm ¬ĽAriane¬ę unter franz√∂sischer Leitung. Der im Weltma√üstab in den vergangenen Jahren zur√ľckgefallene Schiffbau ist v. a. auf die Standorte Nantes und Saint-Nazaire konzentriert und auf den Bau von Tankern und Containerschiffen spezialisiert.
 
Zu den f√ľhrenden Zweigen z√§hlt weiterhin die H√ľttenindustrie, die neben Kupfer-, Blei-, Zink- und Aluminiumgewinnung v. a. auf die Eisen- und Stahlgewinnung ausgerichtet ist. Die wichtigsten Zweige der Investitionsg√ľterindustrie umfassen den Maschinen-, Fahrzeug- und Schiffbau, die Luft- und Raumfahrtindustrie, die elektronische und elektrotechnische Industrie sowie die R√ľstungs-, Automobil- und Fahrradindustrie. Die Automobilindustrie z√§hlt zu den Schl√ľsselbranchen der franz√∂sischen Wirtschaft; sie ist der exportintensivste Wirtschaftszweig und nach der deutschen der zweitgr√∂√üte Hersteller in Europa. Die wichtigsten Produktionsst√§tten liegen im Pariser Raum. Zu den f√ľhrenden Industriezweigen z√§hlt auch die chemische, pharmazeutische und kosmetische Industrie. Trotz struktureller Schw√§chen spielt die Textil- und Bekleidungsindustrie innerhalb Europas eine f√ľhrende Rolle. Weitere wichtige Branchen sind die Nahrungs- und Genussmittelindustrie, die Bauindustrie, die Herstellung von Holz-, Leder- und Papierwaren.
 
Insgesamt verf√ľgt die franz√∂sische Industrie √ľber eine moderne Produktionsstruktur und in einigen Bereichen √ľber eine technologische Spitzenstellung. Im Vergleich zu Deutschland haben jedoch Wachstumsbranchen des Investitionsg√ľterbereichs ein geringeres Gewicht und einige traditionelle, von Strukturkrisen betroffene Branchen (z. B. Stahl-, Textil- und Bekleidungsindustrie) einen vergleichsweise gro√üen Anteil. Die Struktur der Industrieunternehmen ist nach wie vor unausgeglichen; es gibt eine Kluft zwischen den in fast allen Bereichen bestehenden wenigen international konkurrenzf√§higen Gro√üunternehmen und einer Vielzahl von Kleinunternehmen.
 
Im Unterschied zu Deutschland mit seiner eher dezentralen Verteilung der industriellen Aktivit√§t auf eine gr√∂√üere Zahl gleichrangiger Ballungsgebiete beschr√§nken sich in Frankreich die industriellen Schwerpunkte nach wie vor auf eine H√§lfte des Landes, nord√∂stlich einer Linie Caen-Marseille, und dort im Wesentlichen auf die Regionen √éle-de-France (Pariser Gro√üraum), Rh√īne-Alpes (Saint-√Čtienne, Lyon, Grenoble), Nord-Pas-de-Calais (Lille, D√ľnkirchen, Boulogne-sur-Mer), Lothringen, Elsass und Franche-Comt√© (Besan√ßon, Montb√©liard, Belfort). Bis auf die Subzentren um Nantes, Bordeaux und Toulouse ist der gesamte S√ľdwesten des Landes landwirtschaftlich gepr√§gt. Bedingt durch die Strukturkrise im Kohlebergbau und Schiffbau sowie in der Stahl- und Textilindustrie, von der besonders der Norden und Lothringen sowie der Marseiller Raum betroffen sind, wird das traditionelle, doppelte Industrialisierungsgef√§lle zwischen Paris und der Provinz sowie zwischen Nordosten und S√ľdwesten durch ein neuartiges, umgekehrtes Gef√§lle √ľberlagert: Gro√üe Teile der technologisch wettbewerbsf√§higen Industrie und Zentren der Spitzentechnologien liegen heute in den Landesteilen s√ľdlich der Loire, z. B. in Nizza, Bordeaux und Toulouse. Um Strukturanpassungen bei den alten Industriezweigen zu erleichtern (Sanierung von Krisenbranchen, Ansiedlung technologieorientierter Unternehmen) und um die Rentabilit√§t der Unternehmen allgemein zu verbessern, stellt die Regierung g√ľnstige Finanzmittel und Darlehen zur Verf√ľgung. Da ein sehr gro√üer Teil der Unternehmen aus kleinen Familienbetrieben mit niedriger Produktivit√§t besteht, genie√üen Investitionsbeihilfen zur Entwicklung der PME (Abk√ľrzung von franz√∂sisch petites et moyennes entreprises) eine hohe Priorit√§t.
 
 
Gegen√ľber der seit Jahrzehnten schrumpfenden Landwirtschaft und dem seit den 70er-Jahren r√ľckl√§ufigen Anteil der Industrie ist der in Frankreich traditionell starke Dienstleistungssektor ein wachsender Bereich mit (1999) 15,2 Mio. Besch√§ftigten, das sind 68 % aller Erwerbst√§tigen. W√§hrend der Erwerbst√§tigenanteil des Bereichs Handel und Verkehr von (1960) 15,5 % auf (1999) 17,7 % nur leicht zunahm, verzeichnete der Bereich Dienstleistungsunternehmen und √∂ffentliche Verwaltung eine Erh√∂hung seines Erwerbst√§tigenanteils von (1960) 27,8 % auf (1999) 43,2 %. Bedingt durch das demographische, politische, wirtschaftliche und kulturelle Gewicht der Pariser Region konzentriert sich dort auch der Dienstleistungssektor.
 
 
Hauptgebiete des Tourismus sind Paris, die Mittelmeerk√ľste, die Seeb√§der der Normandie, die Bretagne, das Loiretal, die Atlantikk√ľste, Burgund, die Provence sowie die Alpen (v. a. f√ľr den Wintersport). 1999 konnte Frankreich mit 70 Mio. weltweit die meisten touristischen Besucher verzeichnen.
 
 
Bis zu Beginn der 90er-Jahre wies die frz Handelsbilanz best√§ndig Einfuhr√ľbersch√ľsse auf. Seit 1992 ist durch eine h√∂here internationale Wettbewerbsf√§higkeit die gegenteilige Entwicklung eingetreten und es wurden Export√ľbersch√ľsse erzielt, jedoch kehrte sich dies inzwischen wieder um (2000: Exporte: 2 112 Mrd. FF, Importe 2 181 Mrd. FF). Frankreich steht insgesamt an vierter Stelle der Welthandelsnationen. Wichtige Ausfuhrg√ľter sind Produkte der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie (2000: 14 % des Exportwertes), der Grundstoffindustrie und des Maschinenbaus (2000: 30 %), des Fahrzeugbaus (2000: 15,7 %) und der Verbrauchsg√ľterindustrie (2000: 15,9 %). Wichtige Einfuhrg√ľter sind Brennstoffe (2000: 10 % des Einfuhrwertes), Konsumg√ľter (2000: 15,2 %), Grundstoffindustrieg√ľter und Maschinen (2000: 22,6 %), Automobile (2000: 10,1 %). Wichtigste Handelspartner sind die L√§nder der EU, unter denen Deutschland an erster Stelle steht, gefolgt von Spanien, Italien und Gro√übritannien. Auf die EU-Staaten entfallen (2000) rd. 60 % des gesamten franz√∂sischen Au√üenhandels, auf die USA knapp 8 %. Seit Beginn der 1980er-Jahre stiegen die Handelsbeziehungen mit Japan stark an (2000: 2,7 %), jedoch √ľberwiegen die Importe (2000: 82,3 Mrd. FF) deutlich gegen√ľber den Exporten (2000: 35,4 Mrd. FF). Die franz√∂sische Dienstleistungsbilanz weist insbesondere wegen der Einnahmen aus dem Tourismus st√§ndig hohe √úbersch√ľsse auf.
 
Verkehr:
 
Trotz relativ geringer Bev√∂lkerungsdichte verf√ľgt Frankreich √ľber ein gut ausgebautes Stra√üen- und Eisenbahnnetz, das auf Paris ausgerichtet ist. Frankreich √ľbt f√ľr Spanien und Portugal aufgrund seiner geographischen Lage wichtige Transitfunktionen aus. Das Stra√üennetz hat eine L√§nge von (2000) 981 023 km (ohne landwirtschaftlichen Wege); davon sind rd. 9 300 km Autobahnen (in der Regel geb√ľhrenpflichtig) und 27 223 km Nationalstra√üen (routes nationales). Die Motorisierungsdichte liegt (2000) bei 454 Pkw je 1 000 Einwohner (Deutschland: 406; USA: 565). Die L√§nge der Eisenbahnstrecken (33 163 km) hat seit den 80er-Jahren nur leicht abgenommen, da Stilllegungen unrentabler Strecken durch den Bau neuer Strecken f√ľr Hochgeschwindigkeitsz√ľge ausgeglichen wurden. Nachdem seit 1981 der Hochgeschwindigkeitszug TGV (Train √† Grande Vitesse) zwischen Paris und Lyon mit Erfolg verkehrt, wurde dieses Netz mit Verbindungen von Paris in den Westen und S√ľdwesten Frankreichs (TGV Atlantique) und der Verbindung Paris-Lille mit Weiterf√ľhrung nach Br√ľssel und dem Eurotunnel (TGV Nord) erweitert. Der weitere Ausbau ist geplant (u. a. Marseille-Montpellier, Ostfrankreich-S√ľddeutschland). Die verschiedenen Bahngesellschaften wurden 1938 zur staatlichen SNCF (¬ĽSoci√©t√© Nationale des Chemins de Fer Fran√ßais¬ę) vereinigt. W√§hrend die Zahl der bef√∂rderten Passagiere von 1980 bis 2001 von 685 Mio. auf 895 Mio. gestiegen ist, gingen sowohl die Menge der bef√∂rderten G√ľter (1980: 209 Mio. t; 2001: 134 Mio. t) als auch die Tonnenkilometer (seit 1980 um knapp ein Drittel) deutlich zur√ľck.
 
Frankreich verf√ľgt √ľber ein dichtes, aber teilweise veraltetes Netz von Binnenwasserstra√üen. Von den rund 8 500 km Wasserwegen werden rd. 6 700 km genutzt (2 840 km nat√ľrliche Wasserwege; 3 800 km Kan√§le). Die gr√∂√üte Bedeutung besitzen die Seine zwischen Paris (gr√∂√üter Binnenhafen) und Le Havre, die Rh√īne (v. a. unterhalb von Lyon) und der els√§ssische Teil der Rhein-Rh√īne-Verbindung. - F√ľr den √úberseeverkehr verf√ľgte Frankreich 2000 √ľber eine Handelsflotte von 209 Schiffen von 100 und mehr BRZ mit einer Gesamttonnage von 4,5 Mio. BRZ. Daneben gab es (2000) 5 090 Schiffe mit weniger als 100 BRZ. Gr√∂√üter Seehafen ist Marseille mit (2000) 90,3 Mio. t Umschlag (drittgr√∂√üter europ√§ischer Seehafen). Es folgen Le Havre (63,9 Mio. t), D√ľnkirchen (38,8 Mio. t) und Rouen (24,8 Mio. t).
 
Wichtigste Fluggesellschaften sind Air France und Air Inter, die beide in Staatsbesitz sind. Wichtigste Drehscheibe des Flugverkehrs ist Paris mit den beiden Gro√üflugh√§fen Charles de Gaulle und Orly. Mit (2000) 73,6 Mio. Passagieren (CDG und Orly zusammen) nimmt Paris in Kontinentaleuropa den 1. weltweit den 6. Rang ein. Der Passagieranteil auf internationalen Fl√ľgen betr√§gt (2000) 71,4 %, das sind 52,5 Mio. Passagiere (weltweit 2. Rang nach London). Paris wird (2000) von 416 Fluggesellschaften aus 94 Nationen angeflogen, Verbindungen bestehen zu (2000) 532 St√§dten in 134 L√§ndern der Erde. Neben Paris befinden sich weitere bedeutende Flugh√§fen in Nizza (C√īte d'Azur), Marseille (Marignane), Lyon(Saint-Exupery) und Toulouse (Blagnac).
 
Ziel der Verkehrspolitik ist der Ausbau des hochwertigen Verkehrsnetzes (v. a. Neubau von Autobahnen und Strecken f√ľr Hochgeschwindigkeitsz√ľge), besonders um den Knotenpunkt Paris zu entlasten sowie den Transit zwischen Deutschland, den Beneluxstaaten und Gro√übritannien (Eurotunnel, 1994 fertig gestellt) einerseits und Italien (Alpentunnel) sowie der Iberischen Halbinsel (Bau eines Pyren√§entunnels) andererseits zu erleichtern.
 
 Geschichte:
 
Zur Vorgeschichte Westeuropa, Vorgeschichte; zur galloromanischen und fränkischen Periode Gallien, Fränkisches Reich.
 
¬†Fr√ľh- und Hochmittelalter
 
Nachdem das fr√§nkische Gro√üreich 843 im Vertrag von Verdun zwischen den S√∂hnen Kaiser Ludwigs des Frommen (Lothar I., Ludwig der Deutsche, Karl II., der Kahle) geteilt worden war, konnte Karl II. seine Herrschaft √ľber das ihm zugesprochene Westreich (Grenze zum Mittelreich Lothars an den Flussl√§ufen von Schelde, Maas, Sa√īne und Rh√īne ausgerichtet) v. a. dadurch behaupten, dass er Adel und hohen Klerus im Vertrag von Coulaines (bei Le Mans, 843) als Teilhaber der Herrschaft an sich band. Trotz erheblicher Widerst√§nde der Bretonen und Aquitanier, des Aufstiegs m√§chtiger Adelsfamilien (Welfen, Robertiner u. a.) und der damit verbundenen Aufteilung der einst vom K√∂nig allein ausge√ľbten Kirchenherrschaft blieb die westliche Monarchie als einheitliche politische Gr√∂√üe bestehen; Erzbischof Hinkmar von Reims hatte als Berater Karls II. wesentlichen Anteil an einem Prozess fr√ľher Nationbildung, der durch Aufgabe des Gro√üreichsgedankens und Konzentration auf die Interessen der westlichen Monarchie unter einem von Bisch√∂fen geweihten und auf kirchliche Normen verpflichteten K√∂nig gekennzeichnet war. Die Normanneneinf√§lle schw√§chten das zum Schutz des ganzen Reiches unf√§hige K√∂nigtum und beg√ľnstigten Regionalgewalten (Burgund, Aquitanien, Flandern, Anjou), zu denen seit 911 auch die durch Erhebung des normannischen F√ľhrers Rollo zum Grafen von Rouen begr√ľndete Normandie trat. 888 wurde mit dem Robertiner Odo zum ersten Mal ein nichtkarolingischer K√∂nig gew√§hlt, gegen den die karolingische Partei Karl III., den Einf√§ltigen, erhob, dessen Herrschaftsgebiet im Wesentlichen auf den Raum zwischen Oise und Aisne mit dem Zentrum Laon beschr√§nkt blieb. Fortan k√§mpften Robertiner und Karolinger um das K√∂nigtum, bis sich nach dem Tod des letzten karolingischen K√∂nigs, Ludwig V. (987), und der Wahl des Robertiners Hugo Capet das kapeting. Haus (Kapetinger) durchsetzte. Dieser mit st√§ndigen Kriegshandlungen verbundene Konflikt hemmte die auf der kirchlichen und adligen Grundherrschaft beruhende Landwirtschaft und lie√ü erst seit Beginn des 11. Jahrhunderts nennenswerten Landesausbau zu, der mit der Neuansiedlung von ¬Ľhospites¬ę zu besseren rechtlichen Bedingungen im Pariser Becken und im Tal der Loire einsetzte. Die neuen D√∂rfer (¬Ľvilleneuves¬ę im Norden, ¬Ľsauvet√©s¬ę im S√ľden) f√ľhrten zur Verdichtung des Wegenetzes und damit zur besseren Erschlie√üung gro√üer Landgebiete. Bev√∂lkerungszunahme und Rechtsverbesserungen auch im Altsiedelland steigerten die Nahrungsmittelproduktion, die auch bessere Voraussetzungen f√ľr Gewerbe und Handel mit sich brachte. Rechtsverleihungen an Kaufleute- und Handwerkersiedlungen (lateinisch burgi) in der N√§he von Kl√∂stern und Burgen hoben die Bewohner (lateinisch burgenses, sp√§ter franz√∂sisch bourgeois ¬ĽB√ľrger¬ę) aus der l√§ndlichen Abh√§ngigkeit und begr√ľndeten Vorformen des St√§dtewesens. R√∂mische Rechtskontinuit√§t und italienischer Einfluss brachten in den St√§dten des S√ľdens die Konsulatsverfassung hervor, w√§hrend sich im Norden im 11. Jahrhundert Ans√§tze kommunaler Schwurverb√§nde herausbildeten.
 
Anfangs herrschte der K√∂nig nur √ľber einen Bruchteil (etwa 10 %) des Reiches aus eigenem Recht (Krondom√§ne), aber durch Erhebung des jeweils √§ltesten Sohnes zum Mitk√∂nig noch w√§hrend der Regierung des Vaters wurde das dynastische Erbprinzip eingef√ľhrt. Die sakrale Legitimierung des K√∂nigs ergab sich aus der Kr√∂nung, die seit 1129 in Reims vollzogen wurde, und zwar unter Verwendung eines Salb√∂ls, das man ab 1131 mit dem ¬ĽHimmels√∂l¬ę des heiligen Remigius gleichsetzte. Die karolingische Tradition wurde durch enge Bindung an das Kloster Saint-Denis betont (Karlskult, Grablege, Insignien als Weihegaben, Verwahrung des Kr√∂nungsornats). Der Zusammenhalt des Reiches beruhte nicht auf vielf√§ltigen Lehnsbindungen, sondern auf dem politischen Willen der F√ľrsten, die in ihren Gebieten alle Rechte des K√∂nigs, v. a. die Bischofsernennungen, wahrnahmen, sodass Zersplitterung in Kleinherrschaften vermieden wurde. Mit Ludwig VI. (1108-37) begann ein Konsolidierungsprozess, der zun√§chst den Adel der √éle-de-France unter die Krongewalt brachte, gegen√ľber der anglonormannischen Macht und einem Angriff Kaiser Heinrichs V. (1124) Kr√§fte zur Selbstbehauptung zeigte und Ludwig VII. die Teilnahme am 2. Kreuzzug (1147-49) erlaubte. Gegen den Rat des Abtes Suger von Saint-Denis trennte sich Ludwig VII. von seiner Gemahlin Eleonore von Aquitanien, deren zweite Ehe mit Heinrich Plantagenet, Graf von Anjou und Herzog der Normandie, Aquitanien in den Besitz der englischen Krone brachte, da der Plantagenet als Heinrich II. K√∂nig von England wurde (1154). Gegen dessen Sohn Johann ohne Land konnte Philipp II. Augustus (1180-1223) einen erfolgreichen Krieg f√ľhren, der 1204 Normandie und Poitou an die franz√∂sische Krone brachte. Eine effektivere Verwaltung steigerte das Steueraufkommen, sodass der K√∂nig S√∂ldner werben und politische Ziele durch Einsatz von Geldmitteln f√∂rdern konnte. Bestimmungen des Lehnsrechts wurden f√ľr eine weitsichtige Heiratspolitik genutzt, die ganze F√ľrstent√ľmer durch Erbgang an die Krondom√§ne fallen lie√ü. Der Sieg Philipps II. √ľber den mit K√∂nig Johann verb√ľndeten Kaiser Otto IV. bei Bouvines (1214) bekr√§ftigte die europ√§ische Gro√ümachtstellung Frankreichs; ein erster, als Kreuzzug gegen die Albigenser gef√ľhrter Vorsto√ü in den S√ľden (1209) wurde durch Ludwig VIII. mit der Eroberung des gesamten Languedoc vollendet (1226) und im Ergebnis durch den Vertrag von Paris (1229) mit Raimund VII. von Toulouse rechtlich gesichert (Herzogtum Narbonne, Teile des Albigeois, Gebiet des Bistums Cahors an die Krondom√§ne; Heirat der Erbtochter Raimunds mit dem Bruder Ludwigs IX. zur Begr√ľndung des Erbanspruchs f√ľr die restlichen Landesteile). Ludwig IX., der Heilige (1226-70), wies englische Versuche zur R√ľckeroberung der verlorenen Gebiete ab und festigte das Ansehen des K√∂nigtums, trotz des ungl√ľcklichen Verlaufs des von ihm gef√ľhrten 6. und 7. Kreuzzuges (1248-54 und 1270). Einen verst√§rkten Ausbau der zentralistischen Staatsgewalt brachte die Regierung Philipps IV., des Sch√∂nen (1285-1314): Juristen (Legisten) im K√∂nigsdienst, endg√ľltige Systematisierung der Reichsverwaltung (Parlament [Parlement] als oberstes Gericht, Rechnungskammer [Chambre des comptes] als selbstst√§ndige Beh√∂rde; Einteilung des Kronlandes in feste Verwaltungsbezirke: Bailliages im Norden, S√©n√©chauss√©es im S√ľden, kontrolliert durch vom K√∂nig direkt bestellte Enqu√™teurs), Gewinne an der Westgrenze des Heiligen R√∂mischen Reiches (Freigrafschaft Burgund, Toul), Feldz√ľge gegen Flandern und Sizilien. Der K√∂nig widersetzte sich Papst Bonifatius VIII. und erlangte durch die Wahl des Franzosen Klemens V. erheblichen Einfluss auf die Kirche (√úbersiedlung des p√§pstlichen Hofes nach Avignon 1309-76). Mit der Zerschlagung des Templerordens 1307-12 erlangte er dessen Verm√∂gen. Als der letzte kapeting. K√∂nig ohne m√§nnliche Erben starb (Karl IV., ‚úĚ 1328), ging die Krone gegen begr√ľndete Anspr√ľche Eduards III. von England an Philipp VI. (1328-50) aus dem Haus Valois. Dies war einer der Anl√§sse f√ľr den Hundertj√§hrigen Krieg, in dem England seinen Festlandsbesitz verteidigte. Der Kriegsausbruch traf Frankeich in einer Phase wirtschaftlicher Rezession, nachdem im 12. und 13. Jahrhundert eine steigende Bev√∂lkerungszahl, Wohlstand der Landbev√∂lkerung und bl√ľhendes Gewerbe auch zu vermehrten Kroneinnahmen gef√ľhrt hatten. Die Zentrallage zwischen der flandrischen Industriezone (Tuche, Metallverarbeitung) und den westlichen deutschen Reichsgebieten machte die Champagne zu einem international bedeutenden Messeraum (Champagne, Geschichte), der besonders von italienischen Kaufleuten und Bankiers aufgesucht wurde, die neue Formen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs (Wechsel) verbreiteten. K√∂nigsschutz und rechtliche Regelung der Gesch√§ftsabwicklung beg√ľnstigten den Geldumlauf, der auch die abh√§ngigen Bauern erreichte und sie zur Abl√∂sung ihrer Lasten durch Zinszahlung oder Freikauf bef√§higte. Da die adligen Grundherren f√ľr Hof- und Kriegsdienst abk√∂mmlich sein mussten, hatten sie ihre Eigenwirtschaften meist in Pacht- oder Rentenbetriebe umgewandelt, die feste Eink√ľnfte abwarfen; Grundherrschaft und Adelsgesellschaft gerieten in die Krise, als steigende Kosten f√ľr adligen Lebensstil, Kriegsr√ľstung und bei Gefangenschaft anfallende hohe L√∂segeldforderungen die √ľberdies vom Geldwertverlust betroffenen Eink√ľnfte der meisten Familien zu √ľbersteigen begannen.
 
 
Nach der ersten Phase (1341-43) des Bretonischen Erbfolgekrieges versuchten die Engl√§nder trotz milit√§risch bedeutender Siege bei Cr√©cy (1346; heute Cr√©cy-en-Ponthieu) und Maupertuis (1356, Gefangennahme K√∂nig Johanns II.) vergeblich, eine rasche Entscheidung zu erzwingen. Die Pest (seit 1348), Mitspracheforderungen und Staatsreformpl√§ne der St√§nde (seit 1355) sowie Bauernaufst√§nde (Jacquerie, 1358) ersch√ľtterten das Land, dem Karl V., der Weise (1364-80), eine neue, auf rationale Grunds√§tze gestellte Regierung gab. Sein vorzeitiger Tod st√ľrzte Frankreich unter der Regentschaft der Herz√∂ge von Anjou, Berry und Burgund in eine politische Krise, versch√§rft seit 1392 durch krankheitsbedingte Regierungsunf√§higkeit Karls VI. Als Herzog Johann ohne Furcht von Burgund seinen Rivalen Ludwig von Orl√©ans ermorden lie√ü (1407), f√ľhrte der Konflikt zwischen den H√§usern Orl√©ans (¬ĽArmagnacs¬ę) und Burgund (¬ĽBourguignons¬ę) zum B√ľrgerkrieg, in dessen Verlauf Burgund 1414 ein B√ľndnis mit Heinrich V. von England schloss. Damit trat der Hundertj√§hrige Krieg in eine neue Phase (1415 Sieg der Engl√§nder in der Schlacht bei Azincourt, Besetzung von Paris, 1420 Anerkennung Heinrichs V. als K√∂nig von Frankreich durch die St√§nde, 1428/29 Belagerung von Orl√©ans und Eingreifen der Jeanne d'Arc). Die Kr√∂nung Karls VII. (1429) f√ľhrte zwar nicht die Wende, wohl aber eine Stabilisierung der franz√∂sischen Abwehrkr√§fte herbei, die nach dem Friedensschluss mit Burgund in Arras (1435) zur R√ľckeroberung von Paris ausreichten. In der Pragmatischen Sanktion von Bourges (1438) bestimmte Karl VII. das Verh√§ltnis der franz√∂sischen Monarchie zur r√∂mischen Kurie auf der Grundlage der gallikanischen Freiheiten: U. anderen wurden Appellationen nach Rom eingeschr√§nkt, ferner k√∂nigliches Vorschlagsrecht bei kirchlichen Stellenbesetzungen und freie kanonische Wahl aufeinander bezogen; der Papst sah sich dem Konzil untergeordnet. Die St√§nde erkl√§rten die S√∂ldnerwerbung zum alleinigen K√∂nigsrecht und genehmigten eine dauernde direkte Steuer (taille royale) f√ľr diesen Zweck. Auf solcher Grundlage leitete Karl VII. 1445 eine gro√üe Heeresreform ein, die mit den Ordonnanzkompanien eine Fr√ľhform des stehenden Heeres schuf. Diese Armee eroberte 1449 die Normandie, 1453 auch die Guyenne und f√ľhrte das Ende des Hundertj√§hrigen Krieges herbei. England blieb von seinem gesamten Festlandsbesitz nur Calais (bis 1559). Karl VII. st√§rkte die Krongewalt auch im Innern, v. a. durch die Unterordnung der Seitenlinien des K√∂nigshauses nach dem Sieg √ľber die Adelserhebung der Praguerie (1440). In den letzten Regierungsjahren Karls VII. trat der Thronfolger Ludwig zunehmend in Opposition und floh 1456 unter den Schutz Herzog Philipps des Guten von Burgund nach Flandern. Sein Regierungsantritt als Ludwig XI. (1461-83) war von bald entt√§uschten Reformhoffnungen begleitet; in der ¬ĽLigue du Bien public¬ę sammelte sich seit 1465 die Adelsopposition (H√§user Alen√ßon, Anjou, Armagnac, Bourbon, Bretagne) unter F√ľhrung Burgunds. Diese Liga konnte Ludwig XI. durch milit√§rische und diplomatische Gegenz√ľge spalten, behielt aber den neuen Herzog von Burgund, Karl den K√ľhnen (1467-77), als entschlossenen Gegner, der die wohlorganisierten Kr√§fte seines reichen und leistungsstarken Staates gegen die Krone einsetzte und durch seine Ehe mit Margarete von York (Schwester Eduards IV. von England) das angloburgundische B√ľndnis erneuerte. Der Londoner Vertrag (1474) zielte auf das Ende der Valois-Monarchie, aber Ludwig XI. erreichte im Frieden von Picquigny (bei Amiens, 1475) den Ausgleich mit Eduard IV. und dessen endg√ľltigen Verzicht auf die franz√∂sische Krone; zwei Jahre sp√§ter er√∂ffnete der Tod Karls des K√ľhnen den Zugriff auf Burgund.
 
Ludwig XI. f√ľhrte ein striktes pers√∂nliches Regiment und zog alle wichtigen Entscheidungen an sich. Umfangreiche Steuererhebungen dienten zur Finanzierung der vergr√∂√üerten Armee, der Pensions- und Subsidienpolitik. Um solche Lasten tragbar zu machen, f√∂rderte Ludwig XI. Handel, Gewerbe und Verkehr, wodurch er die St√§dte gegen den Adel auf seine Seite brachte. Nach Ludwigs Tod - sein Sohn und Nachfolger Karl VIII. war unm√ľndig - regierten seine Tochter Anna und ihr Gemahl Peter von Beaujeu (sp√§ter Herzog von Bourbon) an der Spitze eines Rates, den die Generalst√§nde 1484 eingesetzt hatten. Die unter F√ľhrung Herzog Franz' II. von Bretagne versammelte Adelsopposition scheiterte, eine Verheiratung der Erbtochter Anna von Bretagne mit dem deutschen K√∂nig Maximilian I. wurde durch milit√§risches Eingreifen Frankreichs verhindert und Anna zur Ehe mit Karl VIII. von Frankreich gezwungen (1491); nach dessen Tod wurde sie Gemahlin seines Nachfolgers Ludwig XII. (1498). Ziel dieser Heiratspolitik war, die Bretagne endg√ľltig an die franz√∂sische Krondom√§ne zu bringen (erst 1532 de jure verwirklicht) und so die Einheit Frankreichs zu vollenden.
 
Die im Verlauf des 15. Jahrhunderts durch Pest und Kriegssch√§den schwer getroffene Wirtschaft erholte sich nur langsam, wobei der Krone erhebliche Einflussm√∂glichkeiten offen standen. Paris hatte seine Stellung als Hauptstadt behalten und blieb mit 200 000 Einwohnern (Mitte 15. Jahrhundert) Zentrum von Verwaltung, Wirtschaft und Geistesleben (Universit√§t), aber auch eine k√ľnftig nie mehr angefochtene politische Gr√∂√üe. Wirtschaftlich geschw√§chte Aristokratie und teilweise bankrotte St√§dte gerieten in Abh√§ngigkeit vom K√∂nig, der durch sein im Krieg verfeinertes Steuersystem √ľber Mittel verf√ľgte, die erstmals eine gro√ür√§umige, auf eine geschlossene Volkswirtschaft zielende staatliche Wirtschaftspolitik erlaubten. 1466/72 wurde die franz√∂sische Seidenindustrie in Lyon und Tours begr√ľndet; protektionistische Erlasse und Handelsfreiheit erg√§nzten sich zu einem fr√ľhen merkantilistischen System, das die Zentralisierung des Landes zur Vorbedingung √∂konomischer Prosperit√§t gemacht hat.
 
 Renaissancekönigtum und Hugenottenkriege (1483-1598)
 
Bereits 1494/95 hatte Karl VIII. (1483-98, Selbstregierung seit 1491) versucht, die alten Anspr√ľche des Hauses Anjou auf das K√∂nigreich Neapel-Sizilien f√ľr die Krone Frankreichs zu √ľbernehmen und auf einem Italienzug durchzusetzen, war aber an der Heiligen Liga (Papst Alexander VI., Kaiser Maximilian I., Mailand, Venedig, Spanien) gescheitert. Seit diesem Eroberungszug wurde Italien bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zum Kampffeld zwischen Frankreich und dem Haus Habsburg, das seit 1496 Spanien dynastisch verbunden war. Bleibenden materiellen Gewinn zog Frankreich aus diesen Kriegen nicht: Ludwig XII. (1498-1515), der das italienische Projekt seines Vorg√§ngers um den von Verwandtschaftsbeziehungen zu den Visconti abgeleiteten Anspruch auf Mailand erweiterte, verlor 1505 Neapel an Spanien und musste 1512, nachdem Papst Julius II. die Heilige Liga gegen ihn erneuert hatte (mit Spanien, Venedig und den Eidgenossen), auch das 1500 erworbene Mailand wieder r√§umen. Franz I. (1515-47) eroberte durch den Sieg bei Marignano (1515) Mailand zur√ľck. 1519 bewarb er sich ohne Erfolg um die Kaiserkrone. Seinem Rivalen, Kaiser Karl V., unterlag er in vier Kriegen (1521-26, 1527-29, 1536-38, 1542-44) und verlor Mailand und die oberitalienische Machtstellung endg√ľltig. In der Schlacht bei Pavia (1525) selbst gefangen genommen, musste er im Damenfrieden von Cambrai (1529) auch die Lehnshoheit √ľber Flandern und Artois aufgeben, was er sp√§ter im Frieden von Cr√©py nochmals bekr√§ftigen und mit dem Verzicht auf seine kolonialen Pl√§ne in Nordamerika verbinden musste (1544). Die Italienz√ľge hatten vielf√§ltige kulturelle Anregungen nach Frankreich gebracht, v. a. Architektur und Literatur standen seit Anfang des 16. Jahrhunderts unter dem Einfluss der italienischen Renaissance. In Abwehr gegen die habsburgische Umklammerung und √úbermacht leitete Franz I. die neuzeitliche √ľberkonfessionelle B√ľndnispolitik Frankreichs ein (B√ľndnisse mit den T√ľrken und den protestantischen Reichsst√§nden). Im Innern st√§rkte er die Krongewalt durch Einziehung der letzten gro√üen Lehnsf√ľrstent√ľmer (Bourbon und Bretagne) sowie den Ausbau der Verwaltung im fr√ľhabsolutistischen Sinne und erlangte durch das mit Papst Leo X. 1516 geschlossene Konkordat entscheidenden Einfluss auf die Besetzung der Bist√ľmer und auf die Verwendung der kirchlichen Eink√ľnfte. Damit wurde die Kirche f√ľr fast 300 Jahre zu einem monarch. Herrschaftsinstrument. Der Sohn und Nachfolger von Franz I., Heinrich II. (1547-59, verheiratet mit Katharina von Medici), verb√ľndete sich im Kampf gegen Habsburg ebenfalls mit den deutschen protestantischen Reichsst√§nden (1552, Vertrag von Chambord); er besetzte Metz, Toul und Verdun und eroberte 1558 Calais. Im Frieden von Cateau-Cambr√©sis (1559) behauptete er diese Eroberungen, doch erh√§rtete das Abkommen noch einmal die spanische √úbermacht; es bedeutete die endg√ľltige Preisgabe der franz√∂sischen Italienpolitik.
 
Inzwischen hatte die Reformation in Form des Kalvinismus breite Schichten des B√ľrgertums und Teile des Adels erfasst. Die franz√∂sischen Protestanten, die Hugenotten, gef√ľhrt von G. de Coligny und den in Navarra regierenden Bourbonen (besonders von Angeh√∂rigen des Hauses Cond√©), vertraten zugleich die st√§ndisch-aristokratische Opposition gegen das K√∂nigtum. Die katholische Partei wurde von den Herz√∂gen von Guise gef√ľhrt, die Anlehnung an Spanien suchten, w√§hrend die Hugenotten v. a. von England unterst√ľtzt wurden. Katharina von Medici, die nach dem Tod Heinrichs II. den entscheidenden Einfluss auf die Regierung ihrer drei schwachen S√∂hne (Franz II., 1559-60, verheiratet mit Maria Stuart, Karl IX., 1560-74, und Heinrich III., 1574-89) behielt, suchte zwischen den Parteien zu vermitteln, um die Macht der Krone zu retten. Mit dem Blutbad der Bartholom√§usnacht (1572) scheiterte auch Colignys Politik, die darauf zielte, K√∂nig Karl IX. f√ľr den Kalvinismus und den Krieg gegen Spanien zu gewinnen. Der B√ľrgerkrieg flammte erneut auf (Hugenottenkriege). Erst als der Hugenottenf√ľhrer Heinrich von Bourbon-Navarra, nach dem Aussterben des Hauses Valois (1589) als Heinrich IV. Erbe des franz√∂sischen Thrones, zum katholischen Glauben √ľbertrat (1593), wurde das Land allm√§hlich befriedet. Die Religionskriege endeten endg√ľltig erst 1598 mit dem Edikt von Nantes, das den Hugenotten den Rechtsstatus einer konfessionellen Minorit√§t und die staatsb√ľrgerliche Gleichberechtigung zusicherte. Philipp II. von Spanien erkannte im Frieden von Vervins (1598) Heinrich IV. als rechtm√§√üigen franz√∂sischen K√∂nig an.
 
Im 16. Jahrhundert hatte Frankreich teil am allgemeinen Aufschwung der europ√§ischen Wirtschaft, der v. a. den F√ľhrungsschichten zugute kam, w√§hrend die Unterschichten unter den Preissteigerungen litten.
 
 Aufstieg im Zeichen des Absolutismus (1598-1715)
 
Unter Heinrich IV. (1589-1610), mit dem nach der Ermordung Heinrichs III. das Haus Bourbon auf den franz√∂sischen Thron kam, richtete sich das zerr√ľttete Land rasch wieder auf. Sein protestantischer Minister Sully (1597-1610) ordnete Finanzen und Wirtschaft; in Kanada wurden die ersten franz√∂sischen Siedlungen gegr√ľndet (1608 Quebec). Heinrich bereitete einen neuen Krieg gegen das habsburgische Spanien vor, wurde aber vor dessen Ausbruch von F. Ravaillac ermordet (14. 5. 1610.
 
Nach dem R√ľckschlag, den die franz√∂sische Entwicklung dadurch erfuhr - f√ľr den unm√ľndigen Ludwig XIII. (1610-43) regierte zun√§chst seine Mutter, Maria von Medici -, festigte Kardinal Richelieu (1624-42 leitender Minister) die absolute Krongewalt. Er errang zugleich im Kampf gegen die Habsburger die ersten gro√üen franz√∂sischen Siege (Drei√üigj√§hriger Krieg: Subsidienvertrag von B√§rwalde mit Schweden 1631, milit√§risches Eingreifen 1635). Den Hugenotten nahm er im Interesse staatlicher Einheit ihre politisch-milit√§rische Sonderstellung (Einnahme von La Rochelle, einem ihrer Hauptst√ľtzpunkte, 1628; Edikt von Al√®s 1629). Er unterdr√ľckte die Opposition des Hochadels und sorgte durch Einrichtung der Intendantur (Intendant) f√ľr eine straffere Verwaltung der Provinzen. Gegen den zunehmenden Steuerdruck richtete sich eine Reihe von Volksaufst√§nden (u. a. der ¬ĽCroquants¬ę, 1635-37, der ¬ĽNu-pieds¬ę, 1639). Richelieu f√∂rderte Wissenschaft und Kunst, um sie in den Dienst der Monarchie zu stellen; 1635 gr√ľndete er die Acad√©mie fran√ßaise. W√§hrend der Minderj√§hrigkeit Ludwigs XIV. setzte Kardinal Mazarin (1643-61 leitender Minister) Richelieus Politik fort und erlangte im Westf√§lischen Frieden (1648) f√ľr Frankreich eine der Garantiem√§chte der Friedensvertr√§ge - die habsburgischen Besitzungen und Rechte im Elsass. 1658 schloss er, um den franz√∂sischen Einfluss auf das Heilige R√∂mische Reich zu erweitern, mit mehreren Reichsst√§nden den 1. Rheinbund (Alliance du Rhin) und bewarb sich f√ľr den jungen K√∂nig um die Kaiserkrone. Im Bund mit England entschied Frankreich ferner den Krieg gegen Spanien erfolgreich; der abschlie√üende Pyren√§enfriede (1659), durch den es das Roussillon, Artois und einige Grenzpl√§tze in Flandern gewann, besiegelte den Niedergang der spanischen Vormacht in Europa; an seine Stelle trat allm√§hlich Frankreich. In der Fronde (1648-53) erhob sich die st√§ndisch-aristokratische Opposition noch einmal gegen die absolute K√∂nigsgewalt, brach aber wegen ihrer inneren Gegens√§tze zusammen.
 
Seit 1661 (Tod Mazarins) f√ľhrte Ludwig XIV. (1643-1715) pers√∂nlich die Regierung. J.-B. Colbert als Finanz- und Wirtschaftsminister f√∂rderte im Sinne des Merkantilismus Industrie und Handel, reformierte das Steuerwesen und den Staatshaushalt, schuf eine gro√üe Kriegsflotte und baute das franz√∂sische Kolonialreich (Kanada, Louisiana, Westindien, Senegambien) aus. Louvois als Kriegsminister machte die franz√∂sische Armee zur st√§rksten in Europa. In mehreren Angriffskriegen (Devolutionskrieg, 1667/68; Holl√§ndischer Krieg, 1672-79; Pf√§lzischer Erbfolgekrieg, 1688-97) schob Ludwig XIV. die franz√∂sische Ostgrenze vor, gliederte durch Reunionen weiteres Reichsgebiet in den franz√∂sischen Staatsverband ein und annektierte Stra√üburg (1681). Die religi√∂se Einheit des Landes sollte durch die Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 (Revokationsedikt von Fontainebleau) und die Bek√§mpfung der Jansenisten (Jansenismus) wiederhergestellt werden. Frankreich, das unter Ludwig XIV. seine kulturelle Glanzzeit erlebte, wurde zum Vorbild Europas: Versailles wurde das Muster der Schlossbauten des Absolutismus, die Hofhaltung des ¬ĽSonnenk√∂nigs¬ę das Vorbild f√ľr die h√∂fisch-aristokratische Gesellschaft Europas, die franz√∂sische Literatur, v. a. das Theater, erreichte mit J. Racine und Moli√®re einen Gipfelpunkt. Allerdings zerr√ľtteten die Kriege und die aufwendige Hofhaltung die Finanzen, ersch√∂pften die wirtschaftliche Kraft des Landes und gef√§hrdeten schlie√ülich - im Verein mit der Religionspolitik - das Ansehen des K√∂nigtums. Es kam zu zahlreichen Hungerrevolten. Zur Wiederherstellung des europ√§ischen Gleichgewichts bildete sich zuerst 1672, dann 1689 eine europ√§ische Koalition gegen Frankreich, an deren Spitze Wilhelm III. von Oranien stand, seit 1688 K√∂nig von England. Trotz milit√§rischer Siege konnte sich Frankreich nur mit M√ľhe behaupten. Die vernichtende Niederlage in der Seeschlacht bei La Hogue (1692) beraubte es seiner von Colbert aufgebauten Kriegsflotte und brachte in der Folge seinen Seehandel zum Erliegen. Im Frieden von Rijswijk (1697) konnte es schlie√ülich nur seinen Besitzstand wahren, im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-13/14) b√ľ√üte es auch seine Vormachtstellung ein. Nur dank des Umschwunges in der britischen Politik konnte Ludwig in den Friedensschl√ľssen von Utrecht (1713), Rastatt und Baden (1714) f√ľr seinen Enkel Philipp von Anjou das spanische Erbe - ohne die niederl√§ndischen und italienischen Nebenl√§nder - als bourbonische Sekundogenitur behaupten.
 
Am Ende der Regierung Ludwigs XIV. hatten seine aggressive Au√üenpolitik, seine Verschwendungssucht und Reformunf√§higkeit das Land in den Staatsbankrott gef√ľhrt.
 
 Niedergang der absoluten Monarchie (1715-89)
 
Mit dem Tod Ludwigs XIV. ging die Regentschaft f√ľr seinen noch unm√ľndigen Urenkel und Nachfolger Ludwig XV. (1715-74, 1723 gro√üj√§hrig) an Philipp II., Herzog von Orl√©ans, √ľber. Dieser ver√§nderte die franz√∂sische Politik grunds√§tzlich, indem er der Aristokratie einen Teil ihrer Macht zur√ľckgab und sich mit Gro√übritannien gegen Spanien verb√ľndete. Die Staatsschuld verminderte sich durch das Finanzmanipulationen des J. Law, sodass die Wirtschaft neue Impulse erhielt. Kardinal Fleury (leitender Minister 1726-43) gelang noch einmal die Konsolidierung der Staatsfinanzen. Dennoch unterlag die Krone einem schleichenden Machtverfall, verursacht von Ludwigs Willk√ľr- und M√§tressenherrschaft (Marquise de Pompadour, Gr√§fin Dubarry), seiner kostspieligen und verlustreichen Kriegs- und Kolonialpolitik und der abermaligen Ersch√ľtterung der Staatsfinanzen. Zwar konnte Fleury Frankreich 1735/38 noch die Anwartschaft auf Lothringen verschaffen (Polnischer Thronfolgekrieg; 1766 Erwerbung Lothringens); im √Ėsterreichischen Erbfolgekrieg (1740-48), in den Frankreich gegen den Willen Fleurys eingriff, war es indessen erfolglos; 1756/57 kam es schlie√ülich zu dem f√ľr Frankreich verh√§ngnisvollen B√ľndniswechsel von Preu√üen zu √Ėsterreich: Im Siebenj√§hrigen Krieg (1756-63) k√§mpfte es erfolglos gegen Preu√üen und verlor seine nordamerikanischen und die meisten indischen Kolonien an Gro√übritannien (Pariser Frieden 1763).
 
Grundlegende Reformans√§tze zur Sanierung der Staatsfinanzen durch Besteuerung aller Eink√ľnfte und aller St√§nde scheiterten am Widerstand der privilegierten St√§nde Adel und Geistlichkeit, gegen den sich die Krone nicht durchsetzen konnte. Die Versuche stie√üen auch bei den obersten Gerichtsh√∂fen, den Parlamenten, auf erbitterten Widerstand. Diese wurden von den Inhabern k√§uflicher und erblicher √Ąmter, dem allm√§hlich neben dem alten Adel (noblesse d'√©p√©e) aufgestiegenen Amtsadel (noblesse de robe), beherrscht. Die Lage des Klerus war durch den sozialen Gegensatz zwischen schlecht besoldeten Pfarrern und den fast ausschlie√ülich der Aristokratie entstammenden Pr√§laten bestimmt. Die franz√∂sische Aufkl√§rung, ohne ein einheitliches politisches Konzept, richtete ihre Kritik sowohl gegen den Absolutismus und die Machtstellung der Kirche (Montesquieu und Voltaire) als auch gegen die Privilegienstruktur des Ancien R√©gime (Enzyklop√§disten, J.-J. Rousseau). Die Physiokraten traten f√ľr die Aufhebung der Feudalit√§t ein, die die Produktivit√§t der Landwirtschaft behinderte. Gegen die politischen und sozialen Missst√§nde und die eigene Benachteiligung begann auch das wirtschaftlich erstarkende und sozial aufsteigende B√ľrgertum als f√ľhrende Schicht des dritten Standes zunehmend zu opponieren.
 
Die auf Modernisierung der Gerichtsorganisation abzielende Reform des Kanzlers R. N. de Maupeou (1771) wurde von Ludwig XVI. (1774-92), dem Enkel und Nachfolger Ludwigs XV., unter dem Druck der Privilegierten zur√ľckgenommen. Unter seiner Regierung scheiterten auch die Reformversuche seiner Finanzminister A. R. J. Turgot (1774-76), J. Necker (1777-81) und C. A. de Calonne (1783-87). Die politisch wenig ergiebige franz√∂sische Beteiligung am nordamerikanischen Unabh√§ngigkeitskrieg versch√§rfte die Finanzkrise. Nach dem die Autorit√§t der Krone untergrabenden Scheitern aller Bem√ľhungen, den Staatsbankrott abzuwenden, berief der K√∂nig zur Beseitigung des Defizits und zur Reform des Staates 1788 die Generalst√§nde ein, die seit 1614 nicht mehr getagt hatten. Damit war die Bewegung ausgel√∂st, die zur Revolution f√ľhrte.
 
 Revolution und napoleonische Zeit (1789-1815)
 
Die Franz√∂sische Revolution (1789-99) erwies nicht nur in Frankreich die Schw√§che absolutistischer Herrschaft und stellte dort Staat (Errichtung der Ersten Republik 1792) und Gesellschaft binnen weniger Jahre auf neue Grundlagen, sondern ersch√ľtterte durch die Franz√∂sischen Revolutionskriege (gegen die erste und zweite europ√§ische Koalition) und die folgenden Napoleonischen Kriege fast das gesamte europ√§ische Staatensystem. Gleichzeitig verbreiteten sich die Ideen von 1789 in ganz Europa. In der Dynamik der Revolution drohte jedoch die Realisierung ihrer Errungenschaften zu scheitern. Mit dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII (9. 11. 1799, dem Sturz des Direktoriums, versuchte Napol√©on Bonaparte, die revolution√§ren Errungenschaften Frankreichs zu sichern.
 
Bonaparte, durch die Konsularvrfassung vom 13. 12. 1799 Erster Konsul, schuf im Innern eine grundlegend neue, auf dem Erbe der Revolution und den administrativen Traditionen des Ancien r√©gime beruhende Ordnung des franz√∂sischen Staatslebens (Kodifikation des franz√∂sischen Rechts im Code Napol√©on, Code) und stellte durch das mit Papst Pius VII. geschlossene Konkordat von 1801 den Kirchenfrieden wieder her. Er beendete erfolgreich den Krieg gegen die zweite europ√§ische Koalition (Frieden von Lun√©ville 1801 und Amiens 1802). Die franz√∂sische Rheingrenze und die Vorherrschaft Frankreichs in Italien wurden anerkannt; auf die territoriale Neuordnung Deutschlands im Reichsdeputationshauptschluss 1803 √ľbte Frankreich den entscheidenden Einfluss aus. 1799 wurde Piemont einverleibt, w√§hrend in √úbersee das von Spanien 1800 zur√ľckgekaufte westliche Louisiana 1803 an die USA verkauft werden musste und Haiti durch den Aufstand der Farbigen endg√ľltig verloren ging. Gest√ľtzt auf Volksabstimmungen, war Bonaparte seit 1802 Konsul auf Lebenszeit, seit 1804 als Napoleon I. erblicher Kaiser der Franzosen (Selbstkr√∂nung in Gegenwart von Pius VII. in Paris, 2. 12. 1804) und seit 1805 K√∂nig von Italien. Die straff zentralisierte Verwaltung, allgemeine Wehrpflicht, die durch den Verkauf der G√ľter der Kirche und der Emigranten gef√∂rderte Bildung eines selbstst√§ndigen Bauernstandes (eine Agrarrevolution blieb jedoch aus), die b√ľrgerliche Gesellschaftsordnung - s√§mtlich Ergebnisse der Revolution - kennzeichneten das neue Kaiserreich.
 
Spannungen mit Gro√übritannien m√ľndeten 1805 in neue Kriege, in denen neben tats√§chlichen Interessengegens√§tzen auch Napoleons √ľbersteigerter Machtwille und Expansionsdrang wirkten. In den Kriegen gegen die dritte und vierte Koalition (bis 1806/07) erreichte er nach den Niederlagen √Ėsterreichs und Preu√üens, dem Ende des Heiligen R√∂mischen Reiches, dem Versuch, Mitteleuropa in das franz√∂sische Staatensystem einzuordnen (2. Rheinbund), mit der Kontinentalsperre 1806 als Kampfansage gegen Gro√übritannien und der in Tilsit 1807 erzwungenen Partnerschaft des russischen Zaren Alexander I. den Gipfel seiner Macht. In den eroberten Gebieten setzte seine Herrschaft tief greifende Reformen durch, die das Ancien R√©gime in Europa beendeten und eine neue europ√§ische Ordnung begr√ľndeten. In den folgenden Kriegen gegen Spanien und Portugal (1807/08), gegen √Ėsterreich (1809), mit der Besetzung und Annexion des Kirchenstaats (1808/09) stie√ü die napoleonische Fremdherrschaft jedoch auf den Widerstand der V√∂lker und Staaten, wobei der spanische Unabh√§ngigkeitskrieg (seit 1808) europ√§ische Signalwirkung hatte. Bis 1812 verfolgte Napoleon I. seine imperiale europ√§ische Integrations- und Hegemonialpolitik weiter, u. a. durch die seine monarch. Herrschaft legitimierende Dynastiegr√ľndung. Die 1810-12 Frankreich ersch√ľtternde Wirtschaftskrise infolge stockenden Absatzes und der Last der Kontinentalsperre sowie der dr√ľckenden indirekten Steuern lie√ü bei wachsender Kriegsm√ľdigkeit zuerst die Gro√übourgeoisie der napoleonischen Politik den R√ľcken kehren, zugleich bis 1812 die katholisch-royalistische Opposition wachsen. Wendepunkt wurde der f√ľr die ¬ĽGro√üe Armee¬ę katastrophale Russische Feldzug von 1812. Die Erhebung Preu√üens f√ľhrte 1813 zum Ausbruch der Befreiungskriege; der Anschluss √Ėsterreichs vervollst√§ndigte die letzte und gr√∂√üte Koalition gegen Frankreich, das dieser √úbermacht erlag (V√∂lkerschlacht bei Leipzig, 16.-19. 10. 1813). Der Feldzug von 1814 endete mit der Kapitulation von Paris (30. 3.), es folgte der Sturz Napoleons (2. 4. Absetzung, 7. 4. Abdankung) und die Restauration des K√∂nigtums der Bourbonen unter Ludwig XVIII. (1814/15-24). Der 1. Pariser Friede (30. 5. 1814 lie√ü Frankreich die Grenzen von 1792. Der Versuch Napoleons, von Elba aus die Macht zur√ľckzuerobern, f√ľhrte zur Herrschaft der ¬ĽHundert Tage¬ę, die durch die Schlacht bei Waterloo ihr Ende fand; es folgten die abermalige Abdankung des Kaisers (22. 6. 1815 und seine Verbannung nach Sankt Helena. Ludwig XVIII. kehrte nach Paris zur√ľck. Im 2. Pariser Frieden (20. 11. 1815 musste Frankreich u. a. Saarlouis, Saarbr√ľcken und Landau abtreten und sich mit den Grenzen von 1790 begn√ľgen.
 
 Restauration, Julimonarchie und Zweite Republik (1815-52)
 
Die Wiederherstellung des legitimistischen monarch. Prinzips im Zeichen der Restauration vermochte die gesellschafts- und rechtspolitischen Errungenschaften der Revolution nicht r√ľckg√§ngig zu machen. Die innenpolitische Entwicklung wurde wesentlich von der sich nach unten abschlie√üenden, aus Besitz- und Bildungsb√ľrgertum (Grundbesitzer, Beamte, Industrielle, Adlige) bestehenden Notabelnelite bestimmt, die in royalistische, konservative und liberale Gruppierungen gespalten war und in einen zunehmenden Gegensatz zu den Interessen der durch die allm√§hliche Industrialisierung anwachsenden Unterschichten geriet. Ludwig XVIII. hatte mit dem Erlass der ¬ĽCharte constitutionnelle¬ę (4. 6. 1814 Frankreich in die erste konstitutionelle Monarchie auf dem Kontinent umgewandelt. Die Verfassung war durch das die verm√∂gende Oberschicht beg√ľnstigende Zensuswahlrecht sowie durch ein Zweikammersystem mit Budgetbewilligungsrecht und Ministerverantwortlichkeit gekennzeichnet, wobei die Mitglieder der ersten Kammer (Pairskammer) vom K√∂nig ernannt wurden und somit Adel und Gro√üb√ľrgertum allein politische Mitbestimmungsrechte genossen. Doch schon 1820, nach der Ermordung des k√∂niglichen Neffen und einzigen Nachfolgers, Charles Ferdinand de Bourbon, Herzog von Berry, verst√§rkte sich der Einfluss der Ultraroyalisten, die die R√ľckerstattung der bislang unver√§u√üerten Kircheng√ľter, die Aufhebung der zivilen Ehescheidung, die Pressezensur und ein restriktiveres Wahlrecht durchsetzten. Au√üenpolitisch konnte Frankreich bereits 1818 auf dem Aachener Kongress die v√∂lkerrechtliche Gleichstellung durch seine Aufnahme in die Heilige Allianz (in deren Namen 1823 erfolgreiche milit√§rische Intervention gegen die liberale Revolution in Spanien) und in das B√ľndnissystem der Quadrupelallianz von 1814/15 erreichen, nachdem es im Zuge seiner raschen wirtschaftlichen Konsolidierung die Kriegsreparationen getilgt sowie den Abzug der Besatzungstruppe beschleunigt hatte. Im Innern verst√§rkte sich die Opposition, die sich v. a. in der Gr√ľndung von Geheimgesellschaften und in der Pflege des Napoleonkultes √§u√üerte. Denn auch Karl X., der als Nachfolger Ludwigs XVIII. 1824 den Thron bestieg und weitgehend unter dem Einfluss reaktion√§rer Remigrantenkreise stand, suchte das enge B√ľndnis von K√∂nigtum und Kirche und setzte die bisch√∂fliche Schulaufsicht, die R√ľckkehr der Jesuiten sowie die Entsch√§digung der Emigranten durch, was den Gegenkr√§ften im liberalen B√ľrgertum erheblichen Auftrieb gab. So verloren die bislang in der Parlamentskammer dominierenden Ultraroyalisten unter J. A. de Polignac trotz au√üenpolitischer Ablenkungsman√∂ver (z. B. der vergebliche Versuch, Belgien und das linke Rheinufer zu annektieren, und die erfolgreiche Eroberung Algiers) in den Wahlen von 1830 ihre Mehrheit. Sie bewogen aber den K√∂nig zur Aufl√∂sung der oppositionellen Kammer und zum Erlass der ¬ĽJuliordonnanzen¬ę, die durch ein neues Wahlrecht das Industrieb√ľrgertum entmachteten und die Pressefreiheit aufhoben. Darin sahen die zum Widerstand entschlossenen Liberalen unter A. Thiers einen Staatsstreich. Vor diesem Hintergrund brach am 27. 7. 1830 die Julirevolution aus, die nach dreit√§gigen Stra√üenk√§mpfen zwischen der k√∂niglichen Armee und den durch √úberproduktions- und Hungerkrisen radikalisierten Pariser Kleinb√ľrgern und Studenten mit der Eroberung des Palais Bourbon endete. W√§hrend diese aufst√§ndischen Gruppen eine Republik anstrebten, entschieden sich die gro√üb√ľrgerlich ausgerichteten Kammern mit der Wahl des ¬ĽB√ľrgerk√∂nigs¬ę Louis Philippe (aus der bourbonischen Nebenlinie Orl√©ans) zugunsten der konstitutionellen Monarchie, nachdem Karl X. abgedankt und sein - vom legitimistischen Ausland zun√§chst als ¬ĽBarrikadenk√∂nig¬ę abgelehnter - Nachfolger die revidierte Charte von 1830 anerkannt hatte. In der ¬ĽJulimonarchie¬ę gewann das Finanzb√ľrgertum wesentlich an politischem Gewicht. Die wachsende Industrialisierung des Landes f√ľhrte mit dem nun entstehenden Handwerker- und Arbeiterproletariat nicht nur zur gr√∂√üeren Breitenwirkung der fr√ľhsozialistischen Gesellschaftskonzepte (C. Fourier, P. J. Proudhon, L. Blanc, L. A. Blanqui), sondern auch zu erheblichen sozialen Unruhen. Die bald niedergeschlagenen Weberaufst√§nde in Lyon 1831-34 und die Blanquistenerhebung 1835 destabilisierten unter revolution√§r-demokratischem Vorzeichen den rasch wieder durch ein pers√∂nliches Regiment des K√∂nigs bestimmten Kurs des Juste-milieu ebenso wie die 1836 und 1840 erfolglos unternommenen Putschversuche Charles Louis Napol√©on Bonapartes (sp√§ter Napoleon III.), eines Neffen Napoleons I.
 
Im Gegensatz zur √∂konomischen Entwicklung trug die Au√üenpolitik wenig zur St√ľtzung des Regimes bei: Die franz√∂sische Unterst√ľtzung des Paschas von √Ągypten, Mehmed Ali, in seinem Kampf gegen die t√ľrkische Oberhoheit scheiterte (Orientkrise), und auch die Absicht Thiers', durch einen europ√§ischen Krieg gegen den Deutschen Bund die Rheingrenze zu erlangen, misslang, da Louis Philippe den Frieden zu erhalten suchte und den Ministerpr√§sidenten 1840 zum R√ľcktritt zwang. Wenngleich in der Folgezeit unter F. Guizot eine Wiederann√§herung an Gro√übritannien und √Ėsterreich gelang und vor dem Hintergrund einer erneuten Hochkonjunktur das auf individuelle soziale Aufstiegschancen ausgerichtete Motto des ¬ĽEnrichissez-vous¬ę (¬ĽBereichert euch¬ę) zum Ausgleich der politischen Unzufriedenheit gezielt propagiert wurde, wuchsen die durch Korruptionsskandale best√§rkten Zweifel der Oberschicht an der Kompetenz des Regimes. Hinzu trat 1845-47 eine Phase von Missernten und wirtschaftlicher Depression, die auch durch den Abschluss der Eroberung Algeriens nicht aufgefangen werden konnte, was die allgemeine Unruhe steigerte und Forderungen nach einer Erweiterung des Wahlrechts immer lauter werden lie√ü. Als Guizot diesbez√ľgliche, von den Republikanern organisierte √∂ffentliche Bankette (¬ĽReformbankette¬ę) verbot, brach in Paris 1848 die Februarrevolution aus, in deren Verlauf Studenten- und Arbeiterdemonstrationen, gipfelnd in dem Sturm auf das Palais Royal, die Flucht und Abdankung des K√∂nigs, die Proklamation der Zweiten Republik sowie die Einsetzung einer von A. de Lamartine gef√ľhrten provisorischen Regierung erzwangen. Deren zun√§chst sozialistischer Kurswechsel, der sich v. a. in der Errichtung von Nationalwerkst√§tten zur Realisierung des ¬ĽRechts auf Arbeit¬ę √§u√üerte, lie√ü aber in den folgenden allgemeinen und gleichen Wahlen die gem√§√üigten b√ľrgerlichen Republikaner die Mehrheit gewinnen. Diese l√∂sten die unproduktiven Nationalwerkst√§tten wieder auf, woraufhin im Juni 1848 ein vom Kriegsminister L. E. Cavaignac im Auftrag der Nationalversammlung blutig niedergeschlagener Aufstand Paris ersch√ľtterte, in dem sich erstmals das B√ľrgertum und die Arbeiterschaft in offenem Kampf gegen√ľberstanden.
 
 Das Zweite Kaiserreich (1852-70)
 
In der Auseinandersetzung um die Eind√§mmung der sozialistischen Forderungen setzte sich bald die plebiszit√§r-c√§saristische Herrschaftstechnik des Bonapartismus durch, wie ihn Charles Louis Napol√©on Bonaparte praktizierte. Er nutzte das Sicherheitsbed√ľrfnis des Besitzb√ľrgertums, die Deklassierungs√§ngste der Bauern und die wachsende Not der st√§dtischen Unterschichten gleicherma√üen f√ľr die Etablierung einer autorit√§ren Staatsform. Bereits die neue republikanische Verfassung vom 4. 11. 1848 hatte die Arbeiterrechte wieder eingeschr√§nkt und an die Spitze der Exekutive einen - bei vierj√§hriger Amtszeit allerdings nur einmal w√§hlbaren und direkt vom Volk bestimmten - Pr√§sidenten gestellt. Bei dessen Wahl im Dezember 1850 siegte der von den Orl√©anisten und der Kirche unterst√ľtzte Charles Louis Napol√©on Bonaparte √ľberraschend klar. Unter geschickter Ausnutzung des napoleonischen Mythos sowie der Hoffnungen auf einen ¬Ľstarken Mann¬ę steigerte der ¬ĽPrinz-Pr√§sident¬ę seine Popularit√§t und suchte, als die konservative Parlamentsmehrheit 1850 das allgemeine Wahlrecht beschr√§nkte, dieses ebenso wiederherzustellen wie v. a. seine Wiederw√§hlbarkeit durchzusetzen. Da dies misslang, l√∂ste er am 2. 12. 1851 die Nationalversammlung auf, lie√ü deren f√ľhrende Oppositionspolitiker verhaften, setzte die Verfassung au√üer Kraft und erkl√§rte sich am 2. 12. 1852 zum Kaiser, wobei er beide Staatsstreiche durch Volksabstimmungen absicherte. Gest√ľtzt auf die Armee sowie auf die Kirche, die mit der konservativen Schulgesetzgebung 1850 ihre traditionelle Ordnungsmachtfunktion wiedererlangt hatte, errichtete Napoleon III. ein mit scheinkonstitutionellen Formen bem√§nteltes plebiszit√§res Regime. In dessen Rahmen wurden die gesetzgebenden K√∂rperschaften zwar noch immer durch allgemeine Wahlen bestimmt, sie waren jedoch von jeder wirksamen Regierungskontrolle ausgeschaltet, sodass der Kaiser eine nahezu autokratische Machtf√ľlle in Anspruch nehmen konnte. Diese nutzte er zur polizeistaatlichen Unterdr√ľckung der Opposition, zur Reglementierung der Presse und zur Durchsetzung umfangreicher, der Arbeitsbeschaffung und damit ebenfalls der Revolutionsprophylaxe dienender Bauprogramme. In diesem Zusammenhang erfolgte die st√§dtebauliche Sanierung (Baron G. E. Haussmann) von Paris, wo sich Frankreich mit den Weltausstellungen 1855 und 1867 international als eine der f√ľhrenden Industrienationen pr√§sentierte. Der sich in einer expandierenden Gro√üindustrie, bedeutenden Bankengr√ľndungen und wachsenden Kapitalexporten manifestierenden Prosperit√§t entsprach die erfolgreiche Au√üenpolitik Napoleons III., die die Revision der Ordnung des Wiener Kongresses und eine neue Machtposition Frankreichs zum Ziel hatte. Mit seinem Engagement an der Seite Gro√übritanniens im Krimkrieg 1854-56 durchbrach Frankreich die √§u√üere Isolation, untergrub die Vormachtstellung Russlands und konnte auf dem Pariser Friedenskongress 1856 als Vermittler auftreten. In der italienischen Einigungsbewegung im Sardinisch-Franz√∂sisch-√Ėsterreichischen Krieg 1859 gelangen der Sieg √ľber √Ėsterreich und damit territoriale Zugewinne. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der weiteren Expansion der franz√∂sischen Kolonien stand das Zweite Kaiserreich um 1860 auf seinem H√∂hepunkt. Es sah sich aber innenpolitisch einer seit 1863 wachsenden parlamentarischen Opposition gegen√ľber, die sich mit der protektionistischen Kritik am Freihandelsprinzip des 1860 mit Gro√übritannien geschlossenen Cobdenvertrages, mit dem Scheitern der milit√§rischen Mexikoexpedition und dem Unverm√∂gen, den preu√üisch-√∂sterreichischen Gegensatz zu Gebietsgewinnen am Rhein oder in Belgien und Luxemburg zu nutzen, verst√§rkte. Gerade der preu√üische Sieg bei K√∂niggr√§tz 1866 und die erfolgreiche, auf eine kleindeutsche Einigung abzielende Politik O. von Bismarcks wurden als Dem√ľtigung Frankreichs empfunden, zumal der Versuch eines franz√∂sisch-√∂sterreichisch-italienischen B√ľndnisses an der R√∂mischen Frage scheiterte. Um sein Ansehen zu festigen, kam Napoleon III. daher den innenpolitischen Reformforderungen nach, gestaltete sein Regime in ein konstitutionelles ¬ĽEmpire lib√©ral¬ę um, lie√ü eine St√§rkung des Parlaments und rechtsstaatliche Garantien zu und berief nach den Wahlen 1869 ein liberales Reformkabinett unter √Č. Ollivier. Doch f√ľhrte der von franz√∂sischer Seite aus verletztem Hegemonialanspruch bewusst in Kauf genommene Ausbruch des Deutsch-Franz√∂sischen Krieges von 1870/71 mit der Gefangennahme Napoleons III. nach der Niederlage der franz√∂sischen Armee bei Sedan (2. 9. 1870 zum Zusammenbruch des Kaisertums.
 
 Die Dritte Republik (1870-1940)
 
Verfassungspolitische Spannungen und Konsolidierung (1871-79):
 
Unter dem Druck eines in Paris ausbrechenden Arbeiteraufstandes proklamierte L. Gambetta am 4. 9. 1870 die Dritte Republik, deren zun√§chst von der Linken gef√ľhrte Regierung den Krieg gegen Deutschland durch eine von den Provinzen aus organisierte Rekrutenaushebung (lev√©e en masse) fortsetzte, die Kapitulation der von deutschen Truppen eingeschlossenen Hauptstadt am 28. 1. 1871 jedoch nicht verhindern konnte. Die am 13. 2. in Bordeaux konstituierte Nationalversammlung lie√ü die Verfassungsfrage offen, da ihre monarchistische Mehrheit in Legitimisten, Orl√©anisten und Bonapartisten zerfiel. Thiers, der zum Chef der Exekutivgewalt (sp√§ter zum Pr√§sidenten) ernannt wurde, stimmte dem Pr√§liminarfrieden von Versailles (26. 2.) und damit der Abtretung von Elsass und Lothringen sowie der Zahlung von 5 Mrd. Francs Reparationen an das Deutsche Reich zu. Daraufhin kam es aus patriotischem Widerstand gegen den Waffenstillstand wie aus sozialem Protest gegen die konservative Republik zum Aufstand der Pariser Kommune. Der Kampf zwischen der Nationalversammlung und der von einer zersplitterten, extremen Linken gef√ľhrten Kommune, deren Charakter zwischen einem sozialistischen st√§dtischen Selbstverwaltungsmodell und einer nationalen Gegenregierung schwankte, wurde nach verlustreichen milit√§rischen Auseinandersetzungen zugunsten der Ordnungskr√§fte der Nationalversammlung entschieden. Zugleich trennte dieser Konflikt die gem√§√üigten und radikalen Republikaner unter J. F. C. Ferry und Gambetta von den Revolution√§ren, lie√ü auch die gem√§√üigten Orl√©anisten sich f√ľr die Republik engagieren und begr√ľndete einen nicht nur f√ľr die franz√∂sische Arbeiterbewegung bedeutenden revolution√§ren Mythos. Nachdem Thiers durch vorzeitige Zahlung der Reparationen bereits 1873 den Abzug der deutschen Besatzung erreicht hatte, er jedoch angesichts der noch immer offenen Verfassungsfrage aufgrund seiner republikanischen Absichten von den Monarchisten gest√ľrzt und von dem legitimistischen General Mac-Mahon abgel√∂st worden war, schien die Restauration der Monarchie bevorzustehen. Doch Henri Charles de Bourbon, Graf von Chambord, der sich als bourbonischer Pr√§tendent bereits Henri V. nennen lie√ü, weigerte sich, eine vom Parlament erarbeitete Verfassung und die Trikolore anzuerkennen, sodass die Nationalversammlung 1875 mit nur einer Stimme Mehrheit die republikanisch-parlamentarische Staatsform beschloss und im selben Jahr durch drei - mit Erg√§nzungen bis 1940 geltende - Verfassungsgesetze festschrieb. Erst der vorzeitige R√ľcktritt Mac-Mahons nach wiederholten Wahlerfolgen der Republikaner und die Pr√§sidentschaft von J. Gr√©vy, die 1879 den latenten Verfassungskonflikt beendeten, sicherten jedoch deren Bestand. Dieser beruhte v. a. auf dem wachsenden √∂konomischen und politischen Gewicht des mittleren B√ľrgertums, das die alte Notabelnelite abl√∂ste.
 
Die Republik der ¬ĽOpportunisten¬ę (1879-98):
 
W√§hrend das Gro√üb√ľrgertum seine Schl√ľsselstellung in Wirtschaft und Bankwesen ausbaute und der Adel besonders in den westlichen Landesteilen wie in der Armee seine F√ľhrungsrolle bewahrte, trug der Verzicht auf grundlegende Sozialreformen den gem√§√üigten Republikanern den Vorwurf des Opportunismus ein, wenngleich ihr Kurs eines schrittweisen innenpolitischen Ausgleichs unter J. F. C. Ferry in den 1880er-Jahren zur Liberalisierung des Pressegesetzes, zu einer Reform der Munizipalordnung und des Justizwesens, zur Zulassung von Gewerkschaften und v. a. zur Laisierung des modern ausgebauten Bildungswesens f√ľhrte. Nicht minder umstritten war die ebenfalls vonseiten der monarchistischen wie klerikalen Rechten und radikalen Linken attackierte au√üenpolitische Linie der ¬Ľopportunistische¬ę Republikaner, die eine weitere, als Unterst√ľtzung des Industrieb√ľrgertums gedachte Expansion des Kolonialreiches in Nordafrika und Indochina betrieben. Mit der Besetzung Tunesiens, Tongkings und Annams sowie Madagaskars in den 1880er-Jahren gelang es zwar, die 1870 verlorene Gro√ümachtrolle und B√ľndnisf√§higkeit wiederzuerlangen, doch f√ľhrte dieser Kurs zum Konflikt mit den Interessen Gro√übritanniens, was 1898/99 in der Faschodakrise gipfelte. Besonders jedoch die √∂konomische Krise der ¬ĽGro√üen Depression¬ę ersch√ľtterte die Stellung der regierenden Republikaner, st√§rkte in den Wahlen 1885 Monarchisten wie Radikale und verhinderte in der Folge klare Mehrheiten und stabile Regierungen. Eine auf der Rechten wie der Linken anhaltende Entt√§uschung √ľber die Ausgleichspolitik gegen√ľber Deutschland und √ľber ausbleibende soziale Reformen lie√ü die antiparlamentarisch-nationalistische Bewegung um den Kriegsminister G. Boulanger gro√üen Zulauf gewinnen und brachte das Land an den Rand eines Staatsstreiches. Diese Gefahr war erst 1891 nach dem Tod des Generals gebannt. In der Folgezeit sammelten sich die Unzufriedenen in kleinb√ľrgerlichen, nationalistisch-autorit√§ren Gruppierungen auf der einen und in der rasch anwachsenden sozialistischen Bewegung unter A. E. Millerand und J. Jaur√®s auf der anderen Seite. Die innenpolitische Polarisierung verst√§rkte sich in den 1890er-Jahren durch den Panamaskandal, mehr noch aber durch die Dreyfusaff√§re. Die heftige Kontroverse um den 1894 zu Unrecht wegen Spionage verurteilten j√ľdischen Offizier A. Dreyfus f√ľhrte auch zu Parteigr√ľndungen: 1901 konstituierte sich der ¬ĽParti radical et radical-socialiste¬ę und 1905 der ¬ĽParti socialiste¬ę. Zugleich entstanden durch sie mit der rechten Action fran√ßaise und der linken Liga f√ľr Menschenrechte Aktionskomitees, deren Struktur √ľber das bisherige Honoratiorensystem hinausreichte.
 
Die Republik der ¬ĽRadikalen¬ę (1898-1914):
 
Der Aufstieg der sozialistischen Arbeiterbewegung lie√ü die vom mittleren B√ľrgertum getragenen Radikalen, die in den Wahlen 1898 mit den Republikanern den siegreichen ¬ĽBloc r√©publicain¬ę bildeten, in die politische Mitte r√ľcken, mit dem Kabinett unter P. M. Waldeck-Rousseau 1899-1902 eine f√ľr ihr egalit√§res Republikverst√§ndnis bezeichnende, strikt antiklerikale Linie einschlagen und im Verein mit den unter Jaur√®s auf einen reformistischen Kurs einschwenkenden Sozialisten den Kulturkampf forcieren. Dieser bildete seit 1902 die Basis der Ministerpr√§sidentschaft von √Č. Combes und wurde 1905 mit der gesetzlichen Trennung von Kirche und Staat entschieden. Wenngleich die Sozialisten auch die Anf√§nge einer Sozialversicherung und des Arbeiterschutzes initiieren konnten, so trennte sie das milit√§rische Vorgehen des Ministerpr√§sidenten G. Clemenceau gegen Unruhen unter s√ľdfranz√∂sischen Winzern 1907 und die Unterdr√ľckung der Streiks der syndikalistischen Gewerkschaften durch seinen Nachfolger A. Briand 1910 von der nur bedingt zu sozialen Reformen bereiten radikalen Regierung.
 
In der Au√üenpolitik hatte Frankreich, das seit Mitte der 1890er-Jahre seine koloniale Expansion im Sudan, in Togo, Dahomey und Mittelkongo fortsetzte, nach der Nichterneuerung des deutsch-russischen R√ľckversicherungsvertrages 1894 durch das B√ľndnis mit Russland seine Isolierung durchbrochen, 1902 f√ľr den Fall eines deutschen Angriffs auf Frankreich die Neutralit√§t Italiens erreicht und 1904 mit Gro√übritannien die auf einem Interessenausgleich in Nordafrika und Hinterindien fu√üende ¬ĽEntente cordiale¬ę (Entente) abgeschlossen. Dieser Pakt wurde 1907 im Zuge der britisch-russischen Verst√§ndigung zur britisch-russisch-frz√∂sischen Tripelentente erweitert. Das nun seinerseits isolierte Deutschland l√∂ste 1905 die 1. und 1911 die 2. Marokkokrise aus. Diese wurde zwar durch das Marokko-Marengo-Abkommen beigelegt, aber die deutsch-franz√∂sischen Handelsrivalit√§ten und chauvinistischen Abgrenzungsmuster blieben bestehen. Die Balkankrisen und das Wettr√ľsten verst√§rkten das gegenseitige Misstrauen, f√∂rderten im franz√∂sischen B√ľrgertum einen antideutschen Nationalismus und konservative Str√∂mungen, Letztere als Reaktion auf den radikalen Antiklerikalismus der Regierung. 1913 wurde mit R. Poincar√© ein Vertreter des Revanchegedankens zum Pr√§sidenten der Republik gew√§hlt. Die Bem√ľhungen um eine aktive Friedenspolitik, wie sie von J. Caillaux und Jaur√®s (1914 von einem nationalistischen Fanatiker ermordet) betrieben wurden, blieben wirkungslos.
 
Der Erste Weltkrieg (1914-18):
 
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der deutschen Kriegserkl√§rung an Frankreich vom 3. 8. 1914 wurden die Gegens√§tze zwischen der Regierungs-Mehrheit und den Sozialisten durch die sofortige Bildung einer ¬ĽUnion sacr√©e¬ę zur gemeinsamen Verteidigung der Republik in den Hintergrund gedr√§ngt. Unter dem Druck der milit√§rischen Niederlagen musste das zeitweilig zur √úbersiedlung nach Bordeaux gezwungene Parlament nun gegen die Eigendynamik der sich einer Kontrolle entziehenden Armeef√ľhrung ank√§mpfen. Der Wunsch nach einem Verst√§ndigungsfrieden, Kriegsm√ľdigkeit (¬ĽDefaitismus¬ę), sich h√§ufende Meutereien an der Front f√ľhrten 1917 zu einer Krise der franz√∂sischen Widerstandskraft, die milit√§risch durch P. P√©tain und F. Foch, politisch durch Ministerpr√§sident Clemenceau √ľberwunden wurde. Die wesentlichen Bestimmungen des Versailler Vertrages waren das Werk Clemenceaus. Mit der R√ľckgliederung Elsass-Lothringens erreichte dieser zwar das Hauptziel der Revanchepolitik, weiter gehende Forderungen, wie etwa die dauerhafte Annexion des Saargebietes, scheiterten am Widerstand der anderen Gro√üm√§chte. Jedoch wurde Frankreich der Hauptteil der deutschen Reparationen zugesprochen, und in Afrika sowie in Syrien gewann es bedeutende Mandatsgebiete; das franz√∂sische Kolonialreich erreichte seine gr√∂√üte Ausdehnung (franz√∂sische Kolonien). Gest√ľtzt auf seine B√ľndnisse mit Belgien, Polen, Jugoslawien, Rum√§nien und der Tschechoslowakei, wurde Frankreich wieder zur st√§rksten europ√§ischen Festlandsmacht und zu einem gewichtigen Mitglied des V√∂lkerbundes.
 
Zwischen den Weltkriegen:
 
Nach Kriegsende war die Beseitigung beziehungsweise Milderung der wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Kriegsfolgen wichtigste innenpolitische Aufgabe. Bei den notwendigen Entscheidungen standen Regierung und Parlament im Spannungsfeld eines stark aufgef√§cherten Parteienfeldes. Auch die Au√üenpolitik war von diesen Spannungen betroffen. W√§hrend die Rechte in einem ¬Ľharten¬ę Kurs gegen√ľber Deutschland eine Garantie der franz√∂sischen Sicherheit sah, betrachtete die Linke die Schaffung eines kollektiven Sicherheitssystems im Rahmen des V√∂lkerbundes als ein Mittel, zu einem Ausgleich der nationalen Interessen in Europa zu gelangen.
 
Unter der Regierung Clemenceau trat im Fr√ľhjahr 1919 ein Gesetz √ľber kollektive Arbeitsvertr√§ge und ein Gesetz √ľber den Achtstundentag in Kraft. Nach dem Wahlsieg des Bloc national (November 1919) stellte dieser die Staatspr√§sidenten Paul Deschanel (* 1856, ‚úĚ 1922; 1920) und Millerand (1920-24). Die Radikalsozialisten stimmten mit dem ¬ĽBloc national¬ę. 1920 spalteten sich die Kommunisten von den Sozialisten ab. 1924 errang das Cartel des gauches (¬ĽLinkskartell¬ę) einen hohen Wahlsieg und leitete eine Wende in der Innen- und Au√üenpolitik ein. Staatspr√§sident Millerand musste zugunsten von G. Doumergue (1924-31) zur√ľcktreten. Ministerpr√§sident wurden u. a. √Č. Herriot (1924-25) und Briand (1925-26). An der Spitze eines neuen Parteienb√ľndnisses, der ¬ĽUnion nationale¬ę, f√ľhrte Poincar√© als Ministerpr√§sident (1926-29) die Stabilisierung der W√§hrung und der Staatsfinanzen durch, die F√ľhrung der Au√üenpolitik √ľberlie√ü er ganz seinem Au√üenminister Briand. 1931 wurde Paul Doumer (* 1857, ‚úĚ 1932), nach dessen Ermordung A. Lebrun Staatspr√§sident (1932-40).
 
Die Weltwirtschaftskrise (seit 1929) wirkte sich in Frankreich erst seit 1931 aus, nachdem die Produktion in den 1920er-Jahren auf zahlreichen Gebieten gestiegen war (Anstieg des Industrieentwicklungsindexes auf 133 % des Standes von 1911). Die Uneinigkeit der gem√§√üigten b√ľrgerlichen Kr√§fte bei der L√∂sung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme und der damit im Zusammenhang stehende h√§ufige Regierungswechsel beg√ľnstigten das Anschwellen des Rechts- und Linksradikalismus. Im Februar 1934 l√∂sten v. a. rechtsextreme Gruppen (u. a. Croix-de-Feu, Cagoule) Unruhen aus. Die Regierung der ¬ĽUnion nationale¬ę unter Doumergue konnte zwar die Staatskrise beilegen, scheiterte jedoch mit dem Versuch, durch begrenzte politische Reformen stabilere Regierungs-Verh√§ltnisse zu schaffen.
 
Die von der Linken als Staatsstreichversuch des ¬ĽFaschismus¬ę gewerteten Februarunruhen, der soziale Erneuerungswille vieler Intellektueller, die sozialen Auswirkungen der Deflationspolitik der Regierung unter P. √Č. Flandin (1934/35) und P. Laval (1935/36) sowie die dem faschistischen Regierungssystem in Italien entgegenkommende Au√üenpolitik Lavals f√ľhrten zur Bildung einer Volksfront aus Sozialisten, Kommunisten und Radikalsozialisten. Nach dem Wahlsieg im Mai 1936 bildete der Sozialist L. Blum eine Regierung aus Sozialisten und Radikalsozialisten, die von den Kommunisten toleriert wurde. Sie setzte u. a. die Vierzigstundenwoche durch, beschloss die Nationalisierung eines Teils der R√ľstungsindustrie und die Neuorganisation der Bank von Frankreich.
 
Trotz seines Sieges im Ersten Weltkrieg sah sich Frankreich v. a. durch ein wieder erstarkendes Deutschland bedroht. Die Suche nach ¬ĽSicherheit¬ę wurde zum beherrschenden Thema der franz√∂sischen Au√üenpolitik. 1920 schloss Frankreich ein B√ľndnis mit Belgien, 1921 mit Polen. Angesichts wachsender franz√∂sisch-britischer Differenzen in europ√§ischen und kolonialen Angelegenheiten und der Weigerung der USA, politisch-milit√§rische Verbindlichkeiten in Europa einzugehen, verfolgten die franz√∂sischen Regierungen in dieser Zeit nun umso unnachgiebiger gegen√ľber Deutschland die Politik der Reparationen, z. B. auf den Konferenzen von London (1921, Londoner Ultimatum) und Cannes (1922). Im Zuge der ¬ĽPolitik der produktiven Pf√§nder¬ę lie√ü Poincar√© 1923 das Ruhrgebiet gegen den Widerstand Gro√übritanniens und der USA besetzen. Die Regierung des ¬ĽBloc national¬ę, die zum ersten Male diplomatische Beziehungen zur UdSSR aufnahm, leitete v. a. eine Verst√§ndigungspolitik gegen√ľber Deutschland ein und stimmte 1924 mit der Annahme des Dawesplanes einer internationalen L√∂sung des Reparationsproblems zu. Ihren H√∂hepunkt fand die deutsch-franz√∂sische Ann√§herung 1925 im Abschluss der Locarnovertr√§ge und 1926 in den Gespr√§chen von Thoiry zwischen den Au√üenministern Briand und G. Stresemann. 1930 stimmte Frankreich der Reduzierung (Youngplan), 1932 der faktischen Einstellung (Konferenz von Lausanne) der deutschen Reparationsleistungen zu. Auch in der Frage der Besetzung des Rheinlandes, in dem Frankreich zeitweilig separatistische Tendenzen gef√∂rdert hatte, kam es bis 1930 schrittweise zu einer Verst√§ndigung. Mit dem Aufbau der Kleinen Entente zwischen 1924 und 1927 baute Frankreich sein B√ľndnissystem aus. Unter f√ľhrender Mitwirkung Briands kam es 1928 zum Abschluss eines ¬ĽKriegs√§chtungspaktes¬ę (Briand-Kellogg-Pakt). In Abr√ľstungsfragen blieb Frankreich stark von sicherheitspolitischen Erw√§gungen bestimmt (Genfer Konferenzen).
 
Nach Abschluss des Vierm√§chtepaktes (1933) suchte die franz√∂sische Au√üenpolitik der aggressiven Politik des nationalsozialistischen Deutschlands durch einen weiteren Ausbau des franz√∂sischen B√ľndnissystems zu begegnen: F√∂rderung des Balkanpaktes (1934), Beistandspakt mit der UdSSR (1935) und Ausbau der britisch-franz√∂sischen Entente zu einem Milit√§rb√ľndnis. Die Ann√§herung an das faschistische Italien unter Au√üenminister Laval blieb Episode. Im M√§rz 1936 nahm Frankreich die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes durch deutsche Truppen hin. Im Spanischen B√ľrgerkrieg vertrat die Volksfrontregierung das Prinzip der ¬ĽNichtintervention¬ę. 1938 schloss sich die Regierung Daladier (1938-40) der britischen Politik des ¬ĽAppeasement¬ę gegen√ľber dem nationalsozialistischen Deutschland an (M√ľnchener Abkommen, 1938), gab aber nach der italienischen Aktion in Albanien im April 1939 eine automatische Beistandsverpflichtung f√ľr Griechenland, Rum√§nien und Polen. Nach dem deutschen Angriff auf Polen erkl√§rte sie zusammen mit der britischen Regierung am 3. 9. 1939 dem Deutschen Reich den Krieg. Im Schutze der Maginotlinie verhielt sich die franz√∂sische Armee jedoch defensiv und erlitt im Mai/Juni 1940 gegen die angreifende deutsche Wehrmacht eine milit√§rische Niederlage (Zweiter Weltkrieg).
 
¬†√Čtat Fran√ßais und R√©sistance (1940-45)
 
Auf der Grundlage des von Marschall P√©tain als Ministerpr√§sident (1940-42) am 22. 6. 1940 abgeschlossenen Waffenstillstandsabkommens wurde der gr√∂√üere Teil Frankreichs unter Einschluss von Paris von deutschen Truppen besetzt. Elsass und Lothringen wurden faktisch dem Deutschen Reich eingegliedert und die Bev√∂lkerung war zum Dienst in der Wehrmacht gezwungen. Im unbesetzten Frankreich errichtete P√©tain ein autorit√§res Regierungssystem mit Sitz in Vichy. Am 11. 7. 1940 nahm er den Titel ¬ĽChef de l'√Čtat Fran√ßais¬ę (¬ĽChef des franz√∂sischen Staates¬ę) an. Bei seiner Begegnung mit A. Hitler in Montoire-sur-le-Loir (D√©partement Loir-et-Cher; 24. 10. 1940) wurde die franz√∂sische Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reich festgelegt. Nach der Landung der Alliierten in Nordafrika besetzten deutsche Truppen am 11. 11. 1942 die bisher unbesetzte Zone Frankreichs. Das Vichy-Regime, in dem neben P√©tain v. a. Laval immer st√§rker hervortrat, entwickelte sich zu einem diktatorischen Regierungssystem, das der deutschen Besatzungsmacht (v. a. bei der Verfolgung der Widerstandsk√§mpfer und der Deportation von Juden) keinen Widerstand entgegensetzte.
 
In einer Radioansprache setzte sich General C. de Gaulle am 18. 6. 1940 von London aus f√ľr die Fortsetzung des Krieges auf britischer Seite ein. An der Spitze des Freien Frankreich fasste er politisch zun√§chst nur in Franz√∂sisch-√Ąquatorialafrika (Generalgouverneur: F. Ebou√©) und in den franz√∂sischen Pazifikbesitzungen Fu√ü. Im September 1941 bildete er in London das ¬ĽComit√© National Fran√ßais¬ę (CNF), das im Juni 1943 von dem in Algier konstituierten Comit√© Fran√ßais de Lib√©ration Nationale (CFLN) abgel√∂st wurde. Im Mai 1943 gelang es J. Moulin, dem Beauftragten de Gaulles im besetzten Frankreich, die Widerstandsorganisationen des Mutterlandes im ¬ĽConseil National de la R√©sistance¬ę (CNR) zusammenzufassen (R√©sistance). Im August 1943 erkannten Gro√übritannien, die USA und die UdSSR das CFLN als offizielle franz√∂sische Regierung an. Die Mehrheit der franz√∂sischen Gebiete au√üerhalb des Mutterlandes unterstellte sich seiner Autorit√§t. Am 3. 6. 1944 wandelte de Gaulle das CFLN in eine von ihm gef√ľhrte provisorische Regierung um, an deren Spitze er nach der Landung der Westalliierten in der Normandie (6. 6. 1944 am 25. 8. 1944 in das befreite Paris einzog. Franz√∂sische Truppen, hervorgegangen aus den ¬Ľfreifranz√∂sischen Streitkr√§ften¬ę nahmen an den Endk√§mpfen gegen Deutschland teil. Am Ende des Zweiten Weltkrieges beklagte Frankreich etwa eine halbe Mio. Tote.
 
 Die Vierte Republik (1945-58)
 
Mit der Etablierung der provisorischen Regierung de Gaulle in Paris und ihrer Best√§tigung durch die am 21. 10. 1945 gew√§hlte 1. Konstituante (Verfassunggebende Versammlung) beginnt die Geschichte der Vierten Republik. Kommunisten, Sozialisten und die christlich-demokratischen Volksrepublikaner (Mouvement R√©publicain Populaire, MRP) waren die st√§rksten politischen Kr√§fte und trugen 1945-47 die verschiedenen Regierungen (¬Ľtripartisme¬ę). Innenpolitisch verband die Regierung den Wiederaufbau von Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Kampf gegen die Anh√§nger des Vichy-Regimes (Kollaboration). Sie leitete gesellschaftliche Reformen (u. a. Nationalisierung von Grundstoffindustrien, Gro√übanken, Schifffahrts- und Fluggesellschaften) ein, beschloss soziale Ma√ünahmen und richtete eine Planungsbeh√∂rde (f√ľr den gezielten Einsatz staatlicher Investitionen) ein (J. Monnet). Im Zentrum der innenpolitischen Diskussion stand die Verfassungsfrage. Nachdem sich de Gaulle mit seinen Vorstellungen von einer starken Exekutive nicht durchgesetzt hatte, trat er im Januar 1946 zur√ľck. Im Mai 1946 lehnte die Bev√∂lkerung den Verfassungs-Entwurf der 1. Konstituanten ab und stimmte im Oktober 1946 dem modifizierten Verfassungstext einer 2. Konstituanten zu. Mit der Schaffung der Franz√∂sischen Union suchte diese Verfassung zugleich ein neues staatsrechtliches Verh√§ltnis zu den Kolonien. Der Pr√§sident der Franz√∂sischen Republik (1947-54 V. Auriol, 1954-59 R. Coty) war zugleich Pr√§sident der Franz√∂sischen Union.
 
Unter dem Druck des sich versch√§rfenden Ost-West-Konfliktes schloss Ministerpr√§sident P. Ramadier, ein Sozialist, 1947 die Kommunisten (unter M. Thorez) von der Regierungsverantwortung aus. W√§hrend seit 1947 die Gaullisten, die im ¬ĽRassemblement du Peuple Fran√ßais¬ę (RPF) erstmals eine politische Plattform gefunden hatten, und die Kommunisten in grunds√§tzlicher Opposition zur Vierten Republik standen, bildeten nunmehr die Parteien der ¬Ľdritten Kraft¬ę (Volksrepublikaner, Sozialisten, Radikalsozialisten, seit 1951 auch die Unabh√§ngigen Republikaner und Bauern) die Regierung. Vor√ľbergehende Bedeutung erhielt eine von P. Poujade gef√ľhrte Protestbewegung, die ¬ĽPoujadisten¬ę. Auseinander strebende Tendenzen in der Innen- und Au√üenpolitik bewirkten bei den Wahlen 1951 und 1956 den Schwund der parlamentarischen Grundlage der staatstragenden Parteien, ihre Zersplitterung und den raschen Wechsel der Regierungen, u. a. unter den Ministerpr√§sidenten G. Bidault, R. Schuman, R. Pleven, A. Pinay, P. Mend√®s-France, E. Faure und G. Mollet.
 
In der Au√üenpolitik bem√ľhten sich die Regierungen der Vierten Republik mit Erfolg um eine gleichberechtigte Rolle Frankreichs in der internationalen Diplomatie (Gewinn eines st√§ndigen Sitzes im Sicherheitsrat der UN) sowie bei der Besetzung Deutschlands und √Ėsterreichs (Errichtung einer franz√∂sischen Besatzungszone in beiden Gebieten). Dar√ľber hinaus nahmen franz√∂sische Vertreter an allen bedeutsamen internationalen Konferenzen teil. Vor dem Hintergrund des sich versch√§rfenden Ost-West-Konfliktes gab Frankreich seit 1947/48 den Versuch auf, einer eigenen au√üenpolitischen Linie zwischen den USA und Gro√übritannien einerseits und der UdSSR andererseits zu folgen, und reihte sich in das von den USA gef√ľhrte B√ľndnissystem ein (1949 Mitgr√ľndung der NATO, 1954 der SEATO). Waren die franz√∂sischen Regierungen zun√§chst f√ľr eine weitgehende Dezentralisierung (¬ĽZerst√ľckelung¬ę) Deutschlands eingetreten, so stimmten sie sp√§ter der Gr√ľndung der Bundesrepublik Deutschland sowie ihrer Einbindung in den europ√§ischen Integrationsprozess zu. Frankreich beteiligte sich an der Gr√ľndung des Europarates (1949), der Montanunion (1951) sowie von EWG und EURATOM (1957, R√∂mische Vertr√§ge). Die von Pleven vorgeschlagene supranational organisierte Europ√§ische Verteidigungsgemeinschaft scheiterte am Widerstand der Nationalversammlung.
 
1946-54 in den Indochinakrieg verwickelt, musste die Regierung Mend√®s-France auf der Genfer Indochinakonferenz 1954 die staatsrechtlichen Bindungen mit den Staaten dieser Region l√∂sen und in die Teilung Vietnams einwilligen. 1956 wurden Marokko und Tunesien in die Unabh√§ngigkeit entlassen. 1956 scheiterte der britisch-franz√∂sische Versuch, durch eine milit√§rische Intervention die Nationalisierung des Suezkanals durch √Ągypten r√ľckg√§ngig zu machen (Suezkrise). Der vergebliche Versuch, Algerien als einen Teil des franz√∂sischen Staates zu erhalten und den Aufstand des ¬ĽFront de la Lib√©ration Nationale¬ę (FLN) niederzuschlagen (Algerienkrieg, seit 1954), l√∂ste im Mai 1958 einen Putsch franz√∂sischer Streitkr√§fte und Siedler in Algerien aus. Zur Behebung der Staatskrise beriefen die verfassungsm√§√üigen Institutionen am 1. 6. 1958 de Gaulle zum Ministerpr√§sident und statteten ihn mit gro√üen Vollmachten aus.
 
¬†Die F√ľnfte Republik (seit 1958)
 
Mit der Verfassung der F√ľnften Republik vom 4. 10. 1958 (am 28. 9. 1958 von der Bev√∂lkerung gebilligt) st√§rkte de Gaulle in bewusster Abwendung von den Verfassungen der Dritten und Vierten Republik die Regierungsgewalt, besonders die des Staatspr√§sidents, auf Kosten der gesetzgebenden Organe. Im Dezember 1958 w√§hlte ein Gremium von Wahlm√§nnern de Gaulle mit gro√üer Stimmenmehrheit (78,5 %) zum Staatspr√§sidenten. Aufgrund der Einf√ľhrung der Wahl des Staatspr√§sidenten durch das Volk (am 28. 10. 1962 durch Referendum gebilligt) konnte de Gaulle die innenpolitische Machtstellung seines Amtes ausbauen. Seine von den Premierministern M. Debr√© (1959-62), G. Pompidou (1962-68) und M. Couve de Murville (1968-69) gef√ľhrten Regierungen konnten sich in der Nationalversammlung auf eine starke gaullistische Fraktion (Gaullismus) st√ľtzen.
 
Zu Beginnn seiner Amtszeit fand de Gaulle v. a. zwei Probleme vor, die ihm die Vierte Republik hinterlassen hatte: die Inflation und den Algerienkrieg. Mit der Einf√ľhrung des ¬ĽNouveau Franc¬ę (1959) suchte die Regierung die Geldwertstabilit√§t zu erreichen. Gegen den Widerstand der Algerienfranzosen, die durch die OAS (Organisation de l'Arm√©e Secr√®te) Terroranschl√§ge ver√ľbten, und Teilen der Armee (Putschversuch 1961) setzte der Staatspr√§sident im Vertrag von √Čvian-les-Bains (18. 3. 1962 gebilligt durch Volksabstimmung am 8. 4. 1962) die Entlassung Algeriens in die Unabh√§ngigkeit durch. Schon 1960 hatten die in der Franz√∂sischen Gemeinschaft mit Frankreich verbundenen Staaten ihre volle Souver√§nit√§t erhalten.
 
Wichtigstes au√üenpolitisches Ziel de Gaulles war die Wahrung der Unabh√§ngigkeit Frankreichs und seines internationalen Ansehens. Da er automatisch wirkende B√ľndnisverpflichtungen ablehnte, l√∂ste er 1966 die franz√∂sischen Truppen aus der milit√§rischen Integration der NATO. Mit dem Aufbau einer nationalen franz√∂sischen Atomstreitmacht (¬ĽForce de frappe¬ę, sp√§ter ¬ĽForce de dissuasion¬ę) wollte er den milit√§rischen Schutz Frankreichs sicherstellen. Die europ√§ische Integration suchte er im Sinne eines ¬ĽEuropa der Vaterl√§nder¬ę auf ihre wirtschaftliche Ziele zu reduzieren. Eine Erweiterung der Europ√§ischen Gemeinschaften, v. a. den Beitritt Gro√übritanniens, lehnte er ab. Mit der Unterzeichnung des Deutsch-Franz√∂sischen Vertrages (22. 1. 1963 durch de Gaulle und Bundeskanzler K. Adenauer erreichte die Politik der deutsch-franz√∂sische Auss√∂hnung einen H√∂hepunkt. In der internationalen Politik wandte sich die franz√∂sische Regierung gegen das machtpolitische √úbergewicht der USA und der UdSSR, besonders in Fragen der Abr√ľstung. Im Vietnamkrieg und im Nahostkonflikt bem√ľhte sie sich um eine eigenst√§ndige Position Frankreichs.
 
Im Innern suchte die Opposition durch den Abschluss von Wahlb√ľndnissen ihre Zersplitterung zu √ľberwinden; b√ľrgerliche Kr√§fte sammelten sich im ¬ĽCentre D√©mocrate¬ę (CD), nichtkommunistische Linksgruppierungen in der ¬ĽLinksf√∂deration¬ę (¬ĽF√©d√©ration de la Gauche D√©mocrate et Socialiste¬ę, FGDS). Bei den Pr√§sidentschaftswahlen von 1965 konnte sich de Gaulle im zweiten Wahlgang gegen F. Mitterrand, den Kandidaten der Linksf√∂deration, durchsetzen. Die Zur√ľckstellung sozialer Verbesserungen zugunsten eines forcierten Aufbaus einer nationalen Atomstreitmacht l√∂ste soziale Unzufriedenheit aus.
 
Seit dem 3. 5. 1968 kam es in Paris zu schweren Studentenunruhen, die in Verbindung mit einer durch die Gewerkschaften am 13. 5. ausgel√∂sten Streikbewegung den Bestand der F√ľnften Republik infrage stellten. Um der scharfen, von Gewerkschaften, Linksparteien und Studenten jedoch verschieden akzentuierten Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Verh√§ltnissen entgegenzuwirken, versprach de Gaulle am 25. 5. ein Reformprogramm, das unter dem Begriff der ¬ĽParticipation¬ę (¬ĽTeilnahme¬ę) die Beteiligung der Arbeiter an Entscheidungen der Wirtschaft in Aussicht stellte. Nach einer Einigung der Regierung und der Gewerkschaften √ľber die Erf√ľllung der sozialen Forderungen der Streikenden am 27. 5. ebbte der Streik im Juni 1968 ab. Im Oktober 1968 verabschiedete die Regierung ein Gesetz √ľber die Mitbestimmung an den Hochschulen. Als die Bev√∂lkerung im April 1969 in einem Referendum u. a. eine Reform des Senats und eine Regionalreform verwarf, trat de Gaulle als Staatspr√§sidenten zur√ľck.
 
Bei den Pr√§sidentschaftswahlen im Juni 1969 setzte sich der gaullistische Kandidat Pompidou im zweiten Wahlgang gegen A. Poher (CD) durch. Gest√ľtzt auf die Premierminister J. Chaban-Delmas (1969-72) und P. Messmer (1972-74) setzte Pompidou die Au√üenpolitik seines Vorg√§ngers in ihren Grundlinien fort, stimmte aber in seiner Europapolitik der Erweiterung der EG, v. a. der Aufnahme Gro√übritanniens, zu. In der internationalen Abr√ľstungsdiskussion wandte sich die Regierung gegen alle Bestrebungen, auf dem Wege √ľber kollektive R√ľstungsbeschr√§nkungen (z. B. beim Kernwaffensperrvertrag) hegemoniale Strukturen zu verfestigen, bef√ľrwortete aber die Teilnahme an der Konferenz √ľber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Auch im Innern setzte Pompidou im Wesentlichen die Politik de Gaulles fort. Durch eine Verwaltungsreform schuf er 22 Regionen, die jedoch wenig Selbstst√§ndigkeit erhielten. Seit 1972 sammelte sich die Opposition in dem Parteienb√ľndnis ¬ĽUnion de la Gauche¬ę (¬ĽLinksunion¬ę) unter der F√ľhrung von Mitterrand (mit dem Parti Socialiste, dem Parti Communiste Fran√ßais und dem Mouvement des Radicaux de Gauche).
 
Nach dem Tod Pompidous gewann 1974 V. Giscard d'Estaing, der Vorsitzende der Unabh√§ngigen Republikaner, die Pr√§sidentschaft gegen Mitterrand. Die von den Premierministern J. Chirac (1974-76) und R. Barre (1976-81) gef√ľhrten Regierung st√ľtzten sich in der Nationalversammlung auf eine Mehrheit von Gaullisten (seit 1976 im Rassemblement pour la R√©publique, RPR, zusammengeschlossen) und Parteien der gem√§√üigten Rechten und Mitte, die sich 1978 in einer Wahlkoalition, der Union pour la D√©mocratie Fran√ßaise (UDF), verbanden. Der in den 70er-Jahren sich versch√§rfenden wirtschaftlichen Rezession und ihren Folgen (Arbeitslosigkeit, Inflation) suchte die Regierung mit einem Spar- und Konjunkturprogramm (¬ĽBarreplan¬ę) zu begegnen. Unter Betonung der Eigenst√§ndigkeit Frankreichs n√§herte sich Giscard d'Estaing in seiner Verteidigungspolitik wieder st√§rker der NATO; er unterst√ľtzte den Ausbau der europ√§ischen Institutionen (z. B. die Direktwahl des Europ√§ischen Parlaments) und betrieb eine aktive Nahost- und Afrikapolitik (milit√§rische Intervention in Tschad).
 
Bei den Pr√§sidentschaftswahlen von 1981 siegte Mitterrand. Gest√ľtzt auf die im selben Jahr gewonnene absolute Mehrheit der Sozialisten in der Nationalversammlung leitete die Regierung von P. Mauroy (1981-84) ein Reformprogramm (Anhebung der sozialen Leistungen; Verstaatlichung von Banken und Schl√ľsselindustrien; Dezentralisierung der Verwaltung) ein; angesichts hoher Arbeitslosigkeit, Inflation und Staatsverschuldung sah sie sich jedoch gezwungen, seit 1982/83 im Rahmen eines Sparprogramms v. a. den Ausbau des sozialen Netzes stark zu verlangsamen. Pl√§ne zur Reorganisation der Stahlindustrie und der (gescheiterte) Versuch einer Schulreform l√∂sten innenpolitische Spannungen aus. Im Juli 1984 ernannte Mitterrand L. Fabius zum Premierminister
 
Nach dem Wahlerfolg der Gaullisten (RPR) und der b√ľrgerlichen Mittelparteien (UDF) 1986 sah sich Mitterrand zu einer Zusammenarbeit, zur ¬ĽCohabitation¬ę (¬ĽZusammenleben¬ę), mit diesen Kr√§ften gezwungen und ernannte Chirac zum Premierminister (1986-88). Angesichts der Tatsache, dass Staatspr√§sident und Premierminister - zum ersten Male in der Geschichte der F√ľnften Republik - gegens√§tzlichen politischen Richtungen angeh√∂rten, bem√ľhten sich beide, in der innenpolitischen Auseinandersetzung ihre Kompetenzen als Verfassungsorgane gegeneinander abzugrenzen und verfassungspolitisch zu sichern. Mit gro√üer Mehrheit wurde im April/Mai 1988 Mitterrand erneut zum Staatspr√§sidenten gew√§hlt. Er regierte zun√§chst wieder mit sozialistischen Kabinetten (unter M. Rocard, 1988-91; √Čdith Cresson, 1991/92; P. B√©r√©govoy, 1992/93), nach dem Wahlsieg der b√ľrgerlichen Parteien bei den Parlamentswahlen vom M√§rz 1993 in einer zweiten ¬ĽCohabitation¬ę mit einer b√ľrgerlichen Koalition unter dem Gaullisten √Č. Balladur. Au√üenpolitisch wichtigste Entscheidungen dieser Zeit waren die Zustimmung Frankreichs zum Zwei-plus-Vier-Vertrag im Juni 1990 und der Beitritt zum Kernwaffensperrvertrag im Januar 1992. Der Vertrag von Maastricht wurde in einem Referendum im September 1992 von der Bev√∂lkerung nur knapp bef√ľrwortet (51 %). Bei den Pr√§sidentschaftswahlen 1995 bewarben sich von dem gaullistischen RPR dessen Vorsitzender Chirac und Premierminister Balladur, von den Sozialisten L. Jospin. In der Stichwahl (7. 5. 1995) siegte, gegen Jospin, Chirac, der damit neuer Staatspr√§sident wurde. Zum Premierminister wurde A. Jupp√© ernannt. Gegen die Proteste der Welt√∂ffentlichkeit, v. a. der Pazifikl√§nder, wies Chirac die Wiederaufnahme der franz√∂sischen Atomwaffenversuche in Franz√∂sisch-Polynesien an (September 1995-Januar 1996). Die Regierung Jupp√© verlor, besonders aufgrund ihres strengen Sparkurses, schnell an Ansehen. In vorgezogenen Neuwahlen 1997 erreichten die Sozialisten in der Nationalversammlung eine starke Mehrheit, sodass der Pr√§sident f√ľr eine neue Periode der ¬ĽCohabitation¬ę den Sozialisten Jospin mit der Regierungsbildung beauftragte. Jospin leitete danach eine F√ľnf-Parteien-Koalition (aus Sozialisten, Kommunisten, Gr√ľnen, Linksradikalen und einer ¬ĽB√ľrgerbewegung¬ę). Bei den b√ľrgerlichen Parteien folgten auf die Wahlniederlage erhebliche Umbr√ľche: Der Machtkampf bei den Neogaullisten f√ľhrte u. a. zur √Ąnderung des Parteistatuts auf Initiative des Vorsitzenden P. S√©guin (Direktwahl des Parteivorsitzenden, seit 1999: Mich√®le Alliot-Marie) und zur Abspaltung des Rassemblement pour la France (RPF) durch C. Pasqua 1999, das rechtsliberale B√ľndnis UDF konstituierte sich 1998 als Partei. Am 10. 2. 1998 beschloss die Nationalversammlung (unterst√ľtzt von der Mehrheit der Regierungskoalition und gegen den Widerstand der b√ľrgerlichen Parteien) die gesetzliche Einf√ľhrung der 35-Stunden-Woche ab 1. 1. 2000. Am 10. 6. 1999 stellte sich die Nationalversammlung auch einer historischen Hypothek, indem sie einen Gesetzentwurf verabschiedete, in dem erstmals der ¬ĽAlgerienkrieg¬ę (zuvor im √∂ffentlichen Sprachgebrauch als ¬ĽMa√ünahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung¬ę bzw. ¬ĽOperationen in Nordafrika¬ę bezeichnet) begrifflich festgeschrieben und als solcher anerkannt wurde.
 
Verschiedene Aff√§ren (u. a. Korruptionsskandal um den fr√ľheren staatlichen Mineral√∂lkonzern Elf-Aquitaine, Streit um den Verdacht illegaler Parteienfinanzierung) und zunehmende Spannungen zwischen Premier Jospin und Pr√§sident Chirac, die zu einer Belastung der ¬ĽCohabitation¬ę und zu mehrfachen Regierungsumbildungen f√ľhrten, bestimmten dann das innenpolitische Klima. Au√üenpolitisch zog die vom franz√∂sischen Parlament im Januar 2001 beschlossene Anerkennung eines Genozids an den Armeniern 1915 im Osmanischen Reich Proteste der T√ľrkei nach sich. Am 22. 5. 2001 verabschiedete die Nationalversammlung ein heftig umstrittenes Teilautonomiestatut f√ľr Korsika (im Januar 2002 vom Verfassungsrat aber in zentralen Teilen zur√ľckgewiesen). Im Juni 2001 wurde vorzeitig die im Gesetz zur Strukturreform der Streitkr√§fte von 1997 festgelegte Aufhebung der allgemeinen Wehrpflicht verk√ľndet. Bei den Pr√§sidentschaftswahlen erreichte im April 2002 √ľberraschend der Vorsitzende des rechtsextremen FN, J.-M. Le Pen, mit fast 17 % der Stimmen die Stichwahl gegen den amtierenden Pr√§sidenten Chirac (19,8 %); dieses Ergebnis f√ľhrte zu heftigen Protesten und Demonstrationen in zahlreichen St√§dten. Bei den Stichwahlen vom 5. 5. 2002, die sich zu ¬ĽVolkswahlen¬ę f√ľr die Republik und gegen Le Pen gestalteten, wurde Chirac dann mit rund 82 % der Stimmen im Pr√§sidentenamt best√§tigt. Der Sozialist Jospin trat nach seiner Wahlniederlage (Verfehlen der Stichwahlen mit nur 16,1 % der Stimmen) am 6. 5. 2002 als Regierungschef zur√ľck. Am selben Tag wurde der rechtsliberale Politiker Jean-Pierre Raffarin Premierminister einer √úbergangsregierung; mit seiner b√ľrgernahen Politik st√§rkte er das Ansehen des rechtsb√ľrgerlichen Blocks im Vorfeld der Parlamentswahlen vom 9. /16. 6. 2002. Diese konnte (bei einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung von 61,5 %) das konservative Lager klar f√ľr sich entscheiden: Die neu gegr√ľndete ¬ĽUnion pour la majorit√© pr√©sidentielle¬ę (Union f√ľr die Mehrheit des Pr√§sidenten, Abk√ľrzung UMP) gewann 355 Abgeordnetensitze und sicherte sich damit schon allein eine deutliche absolute Mehrheit (ein bisher einmaliges Ergebnis seit Bestehen der F√ľnften Republik); zusammen mit verb√ľndeten Parteien kam die b√ľrgerliche Rechte sogar auf 399 Mandate. Der PS und andere linke Parteien mussten erhebliche Stimmverluste hinnehmen; der rechtsextreme FN verfehlte ganz den Einzug ins neue Parlament. Der am 17. 6. 2002 erneut mit dem Amt des Regierungschefs betraute Raffarin besetzte die Ministerposten seines Kabinetts neben wenigen Parteilosen √ľberwiegend mit Mitgliedern der UMP (zumeist aus dem RPR).
 
 
Allgemeines:
 
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 G. Chabot: Géographie régionale de la France (ebd. 31975);
 
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 D. Noin: L'espace français (ebd. 1976);
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Dtl. - F. Bausteine zum Systemvergleich, hg. v. R. Lasserre u. a., 2 Bde. (1980-81);
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R. Mousnier: La vénalité des offices. Sous Henri IV et Louis XIII (Paris 21971);
 
R. Mousnier: Les institutions de la France sous la monarchie absolue, 2 Bde. (ebd. 1974-80);
 
R. Rémond: La droite en France de la première Restauration à la Ve République, 2 Bde. (ebd. 31972-75);
 
P. Goubert: L'ancien régime, 2 Bde. (ebd. 3-51976-77);
 
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J.-F. Lemarignier: La France médiévale. Institutions et société (Neuausg. Paris 1984);
 
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J.-L. Harouel u. a.: Histoire des institutions de l'époque franque à la Révolution (Paris 1987);
 
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G. Ziebura: F. 1789-1870. Entstehung einer b√ľrgerl. Gesellschaftsformation (1979);
 
W. Mager: F. vom Ancien Régime zur Moderne. Wirtschafts-, Gesellschafts- u. polit. Institutionengesch. 1630-1830 (1980);
 
F. Caron: Histoire économique de la France, XIXe-XXe siècles (Paris 1981);
 
R. Fossier: Enfance de l'Europe. Aspects économiques et sociaux, 2 Bde. (ebd. 1982);
 
G. Dupeux: La Société française 1789-1970 (Neuausg. ebd. 1986);
 
Wirtschaft u. Gesellschaft in F. im Zeitalter der Industrialisierung. 1789-1880, hg. v. F. Braudel u. E. Labrousse, 2 Bde. (a. d. Frz., 1986-87);
 
F. Braudel: F., 3 Bde. (a. d. Frz., 1989-90).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Frankreich und England im Hochmittelalter: Auf dem Weg zur Nation
 
Hundertjähriger Krieg und burgundische Großmacht: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte
 
Frankreich im konfessionellen B√ľrgerkrieg (1562 bis 1598): Im Zeichen der Bartholom√§usnacht
 
britisch-französisches Ringen um die Vorherrschaft in der Welt (1700 bis 1815): Eine Insel auf dem Weg zur Weltmacht
 
Siebenjähriger Krieg: Schlachtfelder auf drei Kontinenten
 
Französische Revolution von 1789: Vom dritten Stand zur Nation
 
Restauration: Das alte Europa als Phönix aus der Asche?
 
Europa im Revolutionsjahr 1848/49: B√ľrger auf den Barrikaden
 
Handelsgesellschaften erobern die Welt: Kampf um die Märkte
 
französische Kolonien: Das erste französische Kolonialreich
 
Frankreichs Hegemonie im 17. und 18. Jahrhundert: Europa im Zeichen der Lilie
 
Frankreich: Verunsicherte Großmacht
 
Frankreich: Von der Résistance zur Vierten Republik
 
S√ľdostasien: Die Folgen des Zweiten Weltkriegs
 
Europa: Integration als Antwort auf die östliche Herausforderung
 
Entkolonialisierung: Das Ende der Kolonialherrschaft und die Bewegung der Blockfreien
 
Enzyklopädisten und die Französische Revolution
 

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FraŐ£nk|reich; -s: Staat in Westeuropa; ‚ÜĎFranzose, ‚ÜĎFranz√∂sin.

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Frankreich [3] ‚ÄĒ Frankreich (Gesch.). I. Vom Anfang der geschichtlichen Zeit bis zum Ende der r√∂mischen Herrschaft, 486 v. Chr. Die ersten Bewohner des heutigen F s waren Celten (s.d.), von den R√∂mern Gallier genannt; nur einzelne Theile des Landes wurden zu der… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Frankreich ‚ÄĒ (lat. Franco Gallia, franz. la France; hierzu die √úbersichtskarte ¬ĽFrankreich¬ę und Karte ¬ĽFrankreich, nord√∂stlicher Teil¬ę), Republik, eins der Hauptl√§nder Europas, erstreckt sich zwischen 42¬į20 bis 51¬į5 n√∂rdl. Br. und 4¬į48 westl. bis 7¬į39 √∂stl. L ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Frankreich [2] ‚ÄĒ Frankreich (n. Geogr. u. Statist.), La France, Kaiserthum im westlichen Europa, erstreckt sich in einer L√§nge von 130 Meilen von 42¬į20 bis 51¬į5 n√∂rdl. Br. u. in einer Breite von 125 Ml. von[497] 12¬į52 bis 25¬į51 √∂stl. L. (v. Ferro), grenzt im… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

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  • Frankreich ‚ÄĒ [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

  • Frankreich ‚ÄĒ R√©publique fran√ßaise Franz√∂sische Republik ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

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